Ostern in Spanien
   
  Bereits vor mehr als 600 Jahren wurden die Prozessionen von Bruderschaften mit Laiencharakter, den Cofradias durchgeführt. In Spanien entwickelten sich im 14. und 15. Jahrhundert je nach Region die unterschiedlichsten Umzugsformen.
  Nach der Eroberung der Kanaren durch die Spanier fand der Brauch auch hier Einzug. Die ersten Prozessionen wurden von den Franziskanern durchgeführt.
  Semana Santa - Die heilige Woche, die Karwoche - ist in Spanien ein religiöses Volksfest. Sie beginnt am Palmsonntag, el Domingo de Ramos,  und endet in der Nacht zum Ostersonntag, Domingo de Resurrección. Der Ostermontag ist im Gegensatz zu Österreich oder Deutschland kein Feiertag.
  Am Vorplatz zur Kathedrale von La Laguna segnet der Bischof von Teneriffa am Palmsonntag die Palm - und Ölzweige. Anschließend beginnt die feierliche Palmsonntagsprozession mit der Tragefigur "Einzug Jesu in Jerusalem" bis zur Iglesia de la Concepción.
  In den Städten La Laguna, Puerto de la Cruz aber auch in Icod de los Vinos wird das Bild der Prozession durch Nazarenos mit langen Mänteln und Kapuzen, die nur Schlitze für die Augen freilassen, geprägt.
   
 
 
Die Prozessionen der Kar- und Osterzeit setzen einen wichtigen Akzent im Leben auf den Inseln.
Besonders im Norden Teneriffas haben die kirchlichen Veranstaltungen große Tradition.
Prozessionen ziehen durch die Hauptstraßen, in vielen Orten wird die Kreuzigung Christi auf den Straßen nachgestellt.
Die berühmtesten Prozessionen in Teneriffa finden traditionell in La Laguna statt.
 
   
  Die Kirchentore werden geöffnet und das Leitkreuz wird heraus getragen.
  Typisch sind Prozessionen mit Christus- und Marienfiguren.  Angeführt wird jede Prozession von einer langen Zweierreihe Nazarenos, die mit ihren langen Gewändern und den spitzen Hauben irgendwie an den "Ku-Klux-Klan" erinnern. Dazu gehören sie natürlich nicht, mystisch wirken sie auf jeden Fall.
  Die Prozessionen werden von hauptsächlich von Bruderschaften ausgerichtet. Die verschiedenen Bruderschaften repräsentieren die unterschiedlichen sozialen Schichten und haben ihren Ursprung in den mittelalterlichen Ständen.
  Dann sind die Heiligen an der Reihe. Die Mitglieder der Bruderschaft tragen die heiligen Figuren, el Pasos, mit einem exakten eingeübten Schritt durch die Strassen und Gassen.
   
 
   
  Begleitet wird die Prozession von monotonen, rhythmischen Trommelschlägen und viel Kerzenlicht. Tausende von Gläubigen, klagende Gesänge begleiten sie. Wenn es dann dunkel geworden ist, hat die ganze Veranstaltung eine sehr mystische Ausstrahlung.
   
     
   
  Verhüllte Gestalten, die prunkvoll geschmückten Podeste mit barocken Heiligenstatuen meilenweit auf ihren Schultern schleppen. Ein eindrucksvoller Zug in der österlichen Zeit.
  Die mit unzähligen Blumen geschmückten Heiligenfiguren, werden am Ende wieder in die Kirchen transportiert. Dort werden die Blumen an Männer verteilt, die mit Hilfe von Ellenbogen und freundlichen Worten eine dieser Blumen für die weiblichen Familienmitglieder „erobern“.
   
    
   
  Heidnische Bräuche mit denen die Einkehr des Frühlings gefeiert werden und die christliche Trauer um den Tod Jesus Christus und die Freude über die Auferstehung vermischen sich und finden Ausdruck in Prozessionen und Umzügen. Die größten Spektakel finden in Spanien in den Provinzen Murcia und Andalusien statt. Auf Teneriffa befindet sich die Konzentration natürlich in der Stadt mit dem Bischofssitz, in La Laguna.
  Nach den Festzügen, Prozessionen oder Passionsspielen trifft sich traditionsgemäß die Verwandtschaft und die Freunde zum Essen. Es gibt regional unterschiedliche Semana Santa-Mahlzeiten. Angeblich  immer fleischlos, wie zum Beispiel Gemüseeintöpfe, die sich sehr gut vorbereiten lassen, Stockfisch- oder Eiergerichte.
  In anderen Regionen, vor allem auf den Kanaren, trifft man sich zu einem Picknick in der freien Natur und genießt vielleicht eine Paella, die über einem Lagerfeuer gekocht wird.
   
  Der Ostersonntag ist dann ein Freudenfest und wird traditionell in der Familie gefeiert. Das herkömmliche Festessen ist das Lammgericht, dass in den verschiedenen Regionen unterschiedlich zubereitet wird. Lamm ist das Symbol des Lebens. Wahrscheinlich, weil man es auf so viele unterschiedliche Arten nutzen kann. Es liefert Milch und Fleisch, es gibt Kleidung und dient zur Herstellung vieler Dinge, weil das Horn vielseitig verwendet werden kann. So garantiert das Schaf als Opfertier eine gute Beziehung zur Gottheit.
  Am Ostermontag bäckt man die Mona de Pasqua, den Osterkringel.
  Er ist aus einem schwach süßen Hefeteig oder Germteig wie wir sagen, hergestellt und mit hart gekochten Ostereiern geschmückt. Manchmal ist er auch mit Marmelade gefüllt. Es ist die Sitte, dass der Pate seinem Patenkind bis zur 1. Kommunion eine Mona de Pasqua schenkt - und jedes Jahr kommt ein Ei mehr hinzu.
  Allerdings ist das mit dem Backen in den letzten Jahren etwas in den Hintergrund gerückt, da es in jeder Bäckerei und jedem Supermarkt ein vielfältiges Angebot dieses Gebäcks gibt.
  Sie gelten als Symbol für Reinheit, Fruchtbarkeit und Frieden.
   
 
  Ergänzungen
  Hermanos - also Brüder, heißen alle Mitglieder einer Hermandad.
  Unter den Hermanos, die an der Prozession der Bruderschaft zur Feier der Semana Santa teilnehmen, unterscheidet man nach ihrer Funktion drei Gruppen:
  Nazarenos: die bekannten Büßer mit den typischen Spitzhauben. Je nach Dauer ihrer Zugehörigkeit zur Bruderschaft gehen sie mit mehr oder weniger Abstand zu einem der Pasos und tragen Kerzen oder andere Insignien.
  Penitentes: Büßer, die ein Holzkreuz auf der Schulter tragen. Wie die Nazarenos sind auch sie mit der Túnica bekleidet, ihre Haube hängt jedoch nach hinten.
  Costaleros: die Träger der Pasos. Etwa 35 bis 50 von ihnen tragen jeden Paso und wechseln sich dabei regelmäßig ab. Sie tragen eine Baumwollmütze, el costal.
  Die Nazarenos, die Penitentes und die Costaleros, die die Statuen tragen, wobei auf einen einzelnen Mann bis zu 100 kg entfallen, sind sie Mitglieder einer Cofradia, einer religiösen Brüderschaft.
  Jede Bruderschaft besitzt eigene Embleme, Farben, Kostüme und Figuren, deren Hauptaufgabe ist es, eine dieser Prozessionen, die zu einem genau bestimmten Zeitpunkt auf einer genau bestimmten Route von ihrer Pfarrkirche aus zur Kathedrale und zurück zur Pfarrkirche ziehen.
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  Paso
  Als Paso wird der gesamte Aufbau bestehend aus der Tragbahre und dem auf ihr befestigten Bildnis bezeichnet.
  Ein Paso kann aus einem Cristo, Paso mit einer Jesusfigur, einer Virgen, Paso mit einer Jungfrauenfigur, auch Paso de Palio genannt, oder einem Misterio, Station der Passion darstellende Figurengruppe, bestehen.
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last update 01.04.07

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