Martini - Sonne, Mond und Sterne - und einen Gänsebraten auf dem Tisch
 
Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.
Brenne auf, mein Licht, brenne auf, mein Licht,
aber nur meine liebe Laterne nicht!
Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.
Sperrt ihn ein, den Wind, Sperrt ihn ein, den Wind,
er soll warten, bis wir alle zu Hause sind!
Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne.
Bleibe hell, mein Licht, Bleibe hell, mein Licht,
denn sonst strahlt meine liebe Laterne nicht!
   
  Früher einmal, als die Uhren noch ein wenig langsamer tickten, gab es unzählige Festtage, auf die sich die Menschen freuen konnten. Warum? Weil es noch viel Brauchtum gab. Weil an solchen Tagen etwas los war.
  So wird es offiziell erzählt. Zugetroffen hat dieser Umstand wahrscheinlich nur auf die bessere Hälfte der Gesellschaft. Gute, oder goldene alte Zeiten hat es bekannter Weise ja nicht wirklich gegeben.
  Aber nehmen wir einmal an, es könnte so gewesen sein, wie es uns die verherrlichende Geschichte klar machen will. Wie beginnen Märchen?
  Es waren einmal goldene und unbeschwerte Zeiten ...
  Am elften November um elf Uhr elf wird aber auch der offizielle Faschingsbeginn zelebriert. Klingt um diese Zeit zwar komisch, sollte es wahrscheinlich auch sein.
  Der Fasching wird also erfolgreich zum Leben erweckt - vielleicht kann es ja in gewissen Situationen hilfreich sein. Die politische Situation in Österreich könnte es vertragen. Ob es von Nutzen ist? Ich bezweifle es. Da kann kein Fasching helfen. Faschingsprinzen wissen ja wofür sie verantwortlich sind - Politiker nicht.
  Heute hat aber nicht nur der Fasching begonnen. Die Speisekarten der Gastronomie sind ebenfalls um einen Programmpunkt reicher geworden. Startschuss für das Martinigansl!
  Wenn der Heurige den alten Wein ablöst und der Fasching offiziell beginnt, ist der Feiertag des Heiligen Martin von Tours. Ob der von den Gänsen an die Römer verraten wurde oder nicht, für Gänse brechen traurige Zeiten an.
  Martinigans
  Bereits 2.500 Jahre vor Christus wurden Enten und Gänse als Haustiere gehalten und gemästet. Das kann man durch Reliefs vieler ägyptischer Gräber belegen. Die Germanen hielten die Gänse als Haustiere weil sie auf der einen Seite mit köstlichem Fleisches und Fett und zusätzlich Daunen gegen Kälte bieten konnten. Als Nebenprodukt konnte man noch den Federkiel zum Schreiben verwenden.
  Die Weihnachtsgans stammt allerdings aus England und hat nichts mit dem Heiligen Martin zu tun. Bei dieser Bedrohung der Gänsepopulation ist er also unschuldig!
  Die Legende erzählt dass Königin Elisabeth I. am Heiligen Abend eine Gans aufgetischt wurde, als ihr die Nachricht vom Sieg über die spanische Armada überbracht wurde. Zur Erinnerung an diesen Tag wurde die Gans zum triumphalen Festbraten.
  In Osteuropa, besonders in Polen, sind Gänse weit verbreitet und von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Bis heute steht in 2/3 deutscher Haushalte an Weihnachten traditionell die gebratene Gans auf dem Menüplan.
  Die Legende berichtet, dass die Bewohner von Tours Martin als Nachfolger des verstorbenen Bischofs auserwählt haben. Er wollte dieses Amt aber nicht antreten. Aus diesem Grund versteckte er sich in einem Gänsestall. Doch durch das Geschnatter der Gänse wurde er verraten und man fand ihn. Er entkam seiner Bestimmung dadurch nicht. Die Gänse haben dafür gesorgt - angeblich. Aber belassen wir es dabei, die Geschichte klingt plausibel, oder nicht?
  In einer anderen Erzählung heißt es, dass die Gänse einmal mit ihrem lauten Schnattern eine Predigt des heiligen Martin gestört haben sollten.
  Dass sie an diesem Tag in die Bratröhre wandern, hängt mit der besonderen Bedeutung des 11. Novembers zusammen. Auf alle Fälle nahm Martin den Gänsen ihr lautes Geschnatter offenbar sehr übel, denn seitdem finden sich Gänse jedes Jahr zu Martini als knusprige Braten auf unseren Tellern wieder.
  Zum Martinstag lief früher das Pachtjahr aus. Bereits im Mittelalter war der Martinitag auch der Zeitpunkt für Pachtgelder und Zinsabgeltung an die Grundherren. Gezahlt wurde in Form von Naturalien - eben auch mit einer Gans. Die Gans war die Währung der armen Leute.
  Der Federkiel diente zum Schreiben und schreiben konnte nur der Adel, nicht aber die Bauern. Auch die Gänsedaunen waren nur etwas für reiche Leute. Sie hatten Dank der Daunen ein warmes und weiches Bett.
  Arm und Reich waren immer schon zwei verschiedene Paar Schuhe.
  Für die Allgemeinheit kann man den Martinstag mit einem heutigen Kündigungstermin vergleichen. Gesinde wurde entlassen und mit einer Gans beschenkt, Mägde und Knechte neu eingestellt. Mit diesem Tag beginnen aber auch die 40 Tage vorweihnachtlicher Fastenzeit.
  Der Martinstag fällt noch in die Erntezeit, das bäuerliche Jahr wird abgeschlossen und die Zeit des Spinnens beginnt. Die Gänse konnten zu dieser Jahreszeit aber nicht mehr auf die Weide getrieben werden.  
  Im Winter war der Platz in den Ställen knapp. Zu Martini wurde das Vieh von der Weide geholt, Vorrat für den Winter angelegt und auf den Bauernhöfen geschlachtet. Durch die Fütterung im Stall waren sie nun am fett und gut genährt und ergaben einen köstlichen Festbraten.
  Deshalb verkauften die Bauern auf den Martinimärkten ihre Gänse, um gut über den Winter zu kommen. Der November war der Schlachtmonat, mit dem das Bauernjahr zu Ende ging. Der Gänsebraten zum Martinstag war also die letzte Gelegenheit für ein ausgiebiges Festmahl vor der Fastenzeit m Advent.
  Der Martinsgans wird auch eine besondere Heilkraft zugeschrieben. Ihr Fett soll gegen Gicht helfen und ihr Blut gegen Fieber. Als Wundermittel gegen Epilepsie gilt eine Feder vom linken Flügel. Diese muss allerdings verbrannt, mit Wein vermengt und anschließend getrunken werden.
  Dumme Gans ist heute ein gängiges Schimpfwort. In Wirklichkeit sind  Gänse  weder dumm, noch haben sie in der geschichtlichen Tradition eine untergeordnete Rolle gespielt.
  Das Ritual, Tiere feierlich zu schlachten und zu einem Festbraten zu erheben, hängt auch mit dem früheren Glauben an die Vegetationsgeister zusammen. Mit der armen Gans wurde also gleichsam auch der Sommer geschlachtet. Alle  Opfertiere enthielten nach damaliger Vorstellung übernatürliche Segens- und Heilkräfte.
  Wenn Zwei versuchen, den V-förmigen Brustknochen der Gans zu zerbrechen, so geht dem ein Wunsch in Erfüllung, der das größere Stück in er Hand hat. Auch die Farbe des Knochens hat eine Bedeutung. Ist er blass und weiß, wird der Winter kalt, hat er eine schöne rote Farbe, braucht man sich um seine Wintervorräte keine Gedanken machen.
  In römischen Zeiten waren die Gänse Begleiter des Kriegsgottes Mars. Sie sollen die Stadt Rom durch ihre Aufmerksamkeit und ihr warnendes Geschnatter vor einem feindlichen Überfall bewahrt haben.
  Bei den Römern genossen die schnatternden Gänse hohes Ansehen. Sie waren der Göttin Juno, der Gemahlin Jupiters, geweiht. Durch ihre Wachsamkeit haben sie mit ihrem Geschrei die Wachen auf dem Kapitol geweckt und der Angriff der Gallier auf Rom konnte so noch rechtzeitig abgewehrt werden.
  Bei den Germanen war die Gans als Symbol für ehelichen Treue. Karl der Große hat Geflügelhaltung stark gefördert. Jeder größere Bauernhof musste neben Hühnern auch eine bestimmte Anzahl an Gänsen halten. Das Federvieh dürfte einen hohen Rang auf seinem Speiseplan gehabt haben.
  In der Zeit der Hohenstauffer gehörten die Gänse zu den Abgaben an die Klöster. Die Bezeichnung Martinsgans stammt aus dieser Zeit. Der 11. November war Zahltag  - die Zinsgänse mussten abgeliefert werden.
  Johann Agricola, ein Zeitgenosse Luthers, schreibt: "Zu Sankt Martin, da brät man feinste Gänse und freut sich alle Welt. An manch anderen Tagen ist dies in Thüringen ebenso, zu Weihnachten allemal". Könige, Fürsten und Grafen liebten den Gänsebraten.
  Im alten norwegischen Runenkalender und im Tiroler Bauernkalender wurde der November mit einer gemalten Gans dargestellt. Das sagt doch alles, oder?
   
  Die Legende
  Zur Zeit des heiligen Martin galt ein kaiserliches Edikt, nach dem die Söhne von Berufssoldaten zum Kriegsdienst eingezogen wurden. So wurde auch Martin, gegen seinen Willen, mit 15 Jahren zum Militärdienst eingezogen.
  Martin war nicht getauft, aber er verhielt sich anders als andere Soldaten. Seine Geduld und Bescheidenheit überstiegen die der anderen bei weitem. Seine Kameraden verehrten ihn und hielten ihn schon damals mehr für einen Mönch als einen Soldaten. Er zeigte ein Verhalten wie ein Christ. Er stand Kranken bei, unterstützte Arme, Hungernde und kleidete Nackte. Von seinem Sold behielt er nur das für sich, was er für das tägliche Leben benötigte.
  Eines Tages, als Martin nichts außer Waffen und dem einfachen Soldatenmantel bei sich trug, begegnete er in einem sehr kalten Winter, in dem viele erfroren, am Stadttor von Amiens einem Armen. Der flehte die Vorbeigehenden um Erbarmen an. Doch alle gingen vorbei. Da erkannte Martin, von Gott erfüllt, dass der Arme, dem die anderen keine Barmherzigkeit schenkten, für ihn da sei.
  Aber was sollte er tun?
  Außer seinem Soldatenmantel hatte er ja nichts. Also nahm er sein Schwert und teilte den Mantel mitten entzwei. Den einen Teil gab er dem Armen, in den anderen Teil hüllte er sich wieder selbst. Die Umstehenden begannen zu lachen, denn Martin sah mit dem halben Mantel ziemlich ärmlich aus. Einigen tat es jedoch leid, dass sie nicht selbst geholfen hatten.
  In der folgenden Nacht sah er Christus mit seinem halben Soldatenmantel bekleidet, den er dem Armen gegeben hatte. Ihm wurde befohlen, er solle sehr aufmerksam den Herrn und das Kleidungsstück, das er verschenkt habe, ansehen.
  Dann hörte Martin Jesus mit lauter Stimme zu der umstehenden Engelschar sprechen: „Martin hat mich mit diesem Mantel bekleidet".
  Jesus Christus dachte dabei tatsächlich an seine eigenen Worte, die er einst gesprochen hatte: „Was immer ihr einem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan". So bekannte Jesus Christus, dass er der arme Mensch war, der von Martin bekleidet worden ist. Um den Wert eines so guten Werkes zu bestätigen, zeigte er sich in eben diesem Mantel.
  Dieses Traumgesicht verführte Martin aber keineswegs zu menschlicher Ruhmsucht. Er erkannte in seiner Tat vielmehr die Güte Gottes. Und als er 18 Jahre alt war, ließ er sich taufen.
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last update 17.11.07

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