Cayucos vom afrikanischen Kontinent
  Ich habe das Gefühl, dass der Rest von Europa eine ganz falsche Vorstellung vermittelt bekommt, was sich auf den kleinen Inseln im Atlantik tatsächlich abspielt.
  Kein Wunder, bei allen Medien herrscht im Moment nur eines - das berüchtigte Sommerloch.
  Die Journalistenpositionen sind zur Zeit auf Sparflamme besetzt und die Arbeit, irgendeine Meldung zu hinterfragen ergibt sich zwischen Arbeitssoll und Freizeit nicht. Wäre ja auch zuviel verlangt und im großen und ganzen lässt sich die Bevölkerung an und für sich ja liebend gerne berieseln oder schockieren. Dann wird es dem mittelständigen Bürger wieder einmal befriedigend bewusst, wie gut es ihm eigentlich geht. Nein, wie kann es solche Katastrophen denn überhaupt geben? Wie kann denn das geschehen? Demonstriert dagegen noch niemand?
  Jetzt wird es schwierig - bei welchem Punkt beginnen?
  Es stimmt, die Kanarischen Inseln werden von Flüchtlingen überschwemmt.
  Nein, es stimmt nicht, dass Urlauber hier dafür zuständig sind, halbtote Afrikaner zu retten.
   
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  Ja , es ist Tatsache, dass Urlauber mit der Situation angeschwemmter Boote in Berührung gekommen sind und diese armen Menschen erstversorgt haben.
  Was sich im Vergleich zum Vorjahr geändert? Wie kommt es plötzlich zu solchen Situationen?
  Ohne Unterlass landen die langen und schmalen Fischerboote aus dem Senegal, Mauretanien und Guinea auf den Kanaren. Je nach Länge des Bootes sind zwischen 30 und 100, aber auch mehr, Flüchtlinge an Bord.
  Die Situation ist seit Jahren dieselbe, die Schlepper haben nur ihre Route geändert und die armen Teufel, die in den Booten sitzen, gehen jetzt eben auf den Kanarischen Inseln an Land. Sie wollen nicht ins Urlaubsparadies. Sie wollen auch nicht nach Spanien. Sie wollen in ein vorgegaukeltes Schlaraffenland. Dafür nehmen sie alle Unannehmlichkeiten, alle Strapazen, hohe Schulden und sehr oft auch ihren Tod in Kauf.
   
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  In diesem Jahr sind bereits 15.000 illegale Immigranten aus Afrika auf die Kanaren gekommen. Dreimal so viele wie im gesamten Jahr davor.
  Auf den Kanaren bleiben nur wenige, die meisten werden aufs Festland gebracht und von dort in ihre Heimatländer zurückgeflogen.
  Die spanischen Behörden müssen es innerhalb von 30 Tagen schaffen, alle Papiere für eine Rückführung fertig zu bekommen. Wenn nicht, bleiben die Flüchtlinge im Land und können ihre Schulden abarbeiten. Geld, dass sich oft die ganze Familie beschafft hat, um die Überfahrt für ein Familienmitglied kaufen zu können.
  Alles ist bestens organisiert und wer das Pech hat wieder nach Hause geschickt zu werden, der muss noch mal los, oder es erwarten ihn und seine Angehörigen im Heimatland schwere Repressionen seitens der Schlepper.
  Das Bild der bedauernswerten Flüchtlinge, die halb verdurstet und dehydriert auf den Kanaren ankommen ist nur eine Sicht der Dinge. Es ist die Seite der Medaille, die wir zu sehen bekommen, ob wir es wollen oder nicht. Das Bild ist wohl richtig und bedrückend, aber eben nur ein Bild - eine Momentaufnahme.
  Dahinter verbirgt sich viel mehr! Hinter dem Scheinbild menschlicher Verzweiflung und Not steckt organisiertes Verbrechen. Eine internationale Mafia, Menschenhändler könnte man sie auch nennen. Die Waren sind billige Arbeiter für reiche Länder. Länder, die auf Grund des enormen Konkurrenzkampfes auf billige Arbeitskräfte angewiesen sind.
  Aber wer bestimmt den Preis? Der Kunde! Wie heißen heute die Schlagwörter in unserer Gesellschaft? Geiz ist geil! Wo kann man noch billiger einkaufen, wo das nächste Schnäppchen ergattern? Wen interessiert es schon, wie diese Dumpingpreise zustande kommen? Zur Beruhigung des eigenen schlechten Gewissens wird höchstens noch die Feststellung getroffen, dass man sich nicht vorstellen kann, wie diverse Produkte in armen Ländern zu so billigen Preisen hergestellt werden können. Aber es wird schon seine Richtigkeit haben.
  Jetzt komme ich vom Thema ab. Also wieder back to the roots.
  Dadurch, dass Marokko seine Grenzen dicht gemacht hat, ist der Weg über Malta und Sizilien auf Grund der vielen Wachboote nicht mehr möglich. So sind nun die Kanarischen Inseln als Schlupfloch nach Europa an der Reihe. Wer lebendig ankommt und nicht sofort zurück geschickt wird, der hat die Möglichkeit, ein neues Leben zu beginnen. Er hat es geschafft!
  Gewinn und Verdienst ist das Schlagwort unserer Gesellschaft. Wenn man nun das Flüchtlingsproblem aus Afrika, das seine Bühne eben im Moment auf den Kanarischen Inseln hat als Beispiel nimmt, wird es makaber. Das Elend auf der einen Seite und der Reichtum im Urlaubsparadies auf der anderen Seite. Skandalös was da passiert. Sogar Urlauber müssen bei der Rettung der illegalen Immigranten helfen. Das Wort Schwarzarbeit bekommt, angesichts der Hautfarbe der Flüchtlinge, eine höchst zynische Bestätigung.
  Wenn es darum geht Gewinn zu machen, sind die Schlepper äußerst phantasievoll. Das Ziel ist Geld zu verdienen und das schnell und viel. Risikolos. Nachfrage bestimmt den Preis. Wenn ein Weg versperrt wird, wird nebenan ein neuer geöffnet. Ist doch nicht schwer zu verstehen, oder? Hauptsache die Ware kommt in Europa mehr oder lebendig auf den Ladentisch.
  Früher waren Fuerteventura und Lanzarote die Inseln mit dem höchsten Flüchtlingsaufkommen. Dieses Faktum hat sich ganz einfach auf Grund der geographische Lage ergeben. Die Nähe zu Marokko hat es ja förmlich angeboten. Heute kommen die Schiffe aus dem Süden, aus Mauretanien, Guinea und Senegal sind heute die Hauptexporteure der Ware Mensch. Aufgrund der momentanen Sicherheitslage sind nun andere Inseln einfacher und schneller zu erreichen.
  Teneriffa ist im Moment das begehrteste Tor zur vermeintlichen Freiheit! Danach folgen Gran Canaria, La Gomera und Fuerteventura. El Hierro und auf Lanzarote sind nur mehr Außenseiter und La Palma ist die einzige Kanareninsel, auf der in diesem Jahr noch kein einziger, schwarzafrikanischer Flüchtling gestrandet ist.
  Es lebe die EU, die sich so um ihre Außengrenzen bemüht und die Sicherung der afrikanischen Küsten so ernst nimmt. Die europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen, Frontex genannt, sollte eigentlich bereits sein 18. Juli ihren Dienst versehen. Aber es klappt eben nicht. Und wen interessiert es schon - die Hauptsache ist doch, dass man im Fernsehen oder Radio sensationelle Bilder und angebliche Fakten breitschlagen kann.
  Wen interessiert ein einzelnes Schicksal? Niemanden. Viel menschlicher wäre es nämlich, die Menschen, die Opfer der Schlepper sind oder noch werden, darüber aufzuklären, dass es das erträumte Paradies nicht gibt. Das sie von einer Hölle nur in die nächste schippern - und das mit Einsatz ihres eigenen Lebens und auf Kosten der Lebensgrundlage ihrer Familien.
  Aber das ist wahrscheinlich nicht sehr medienwirksam - also warten wir auf den Fortsetzungsroman der Vogelgrippe. Daraus kann man mit Sicherheit mehr machen! Aber das Thema ist Stoff für ein Wintermärchen.
  P.S. Während in Regierungskreisen über den weiteren Aufschub der Frontex-Aktion diskutiert wird, zeigen haben sich einige spanischen Provinzen zu Wort gemeldet. Einem Aufruf der kanarischen Regierung zur Aufnahme von minderjährigen Immigranten sind gestern insgesamt 11 spanische Provinzen gefolgt. Die Kinder sollen in Heimen untergebracht werden. Aufgrund der spanischen Gesetze dürfen minderjährige Immigranten nicht abgeschoben werden.
   
  Der Bericht wird noch ergänzt
 
  Ergänzungen
  Grenzschutzagentur Frontex
  Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen - Frontex.
  Die Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union wurde errichtet durch die Verordnung (EG) 2007/2004 des Rates vom 26. Oktober 2004 (ABl. L 349 vom 25.11.2004).
  Die Agentur koordiniert die operative Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten im Bereich des Schutzes der Außengrenzen, unterstützt die Mitgliedstaaten bei der Ausbildung von nationalen Grenzschutzbeamten und legt u. a. gemeinsame Ausbildungsnormen fest, erstellt Risikoanalysen, verfolgt die Entwicklungen der für die Kontrolle und Überwachung der Außengrenzen relevanten Forschung, unterstützt die Mitgliedstaaten in Situationen, die eine verstärkte technische und operative Unterstützung an den Außengrenzen erfordern, und leistet die erforderliche Unterstützung für die Organisation gemeinsamer Rückführungsaktionen der Mitgliedstaaten.
  Die Agentur kann im Interesse einer umfassenden Kohärenz eng mit anderen Gemeinschafts- und EU-Partnereinrichtungen zusammenarbeiten, die zuständig sind für die Sicherheit der Außengrenzen, wie EUROPOL, EPA und OLAF, für die Zusammenarbeit der Zollbehörden oder für die Zusammenarbeit bei Pflanzenschutz- und Veterinärkontrollen.
  Die Agentur gewährleistet die Koordinierung der einzelstaatlichen Aktionen zur Durchführung von Gemeinschaftsmaßnahmen im Bereich des Grenzschutzes an den Außengrenzen und stärkt so die Sicherheit an den Grenzen.
  Quelle: Einrichtungen der Europäischen Union
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last update 02.03.07

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