Artlandya - Tenerife
 
Aktuelle Zeitungsberichte und Photos
 

Da die Berichte nach einiger Zeit in den diversen Zeitungen und Magazinen nicht mehr aufscheinen, habe ich die Texte auf dieser Seite festgehalten.

Zu den originalen Berichten kommt man mit Hilfe des Links unter den Artikeln.

 

 
Verzweifelter Kampf gegen die Flammen
Kanarische Inseln - Auf der Flucht: Schon mehr als 11.000 Bewohner und Urlauber auf Gran Canaria und Teneriffa wurden vor den Flammen in Sicherheit gebracht. Die Lage sei dramatisch, erklärte der Präsident der Regionalregierung.
Vor den seit Tagen wütenden Waldbränden auf den Kanaren haben die Behörden am Dienstag mehr als 11.000 Menschen in Sicherheit gebracht.
Allein 6.000 wurden auf der Insel Teneriffa evakuiert, 5.200 mussten ihre Häuser auf Gran Canaria verlassen. Unter ihnen waren auch mindestens 50 deutsche Touristen.
Die Lage sei dramatisch
Auf Teneriffa wurden seit Montag 4.500 Hektar Land ein Raub der Flammen. Windböen von 65 Kilometern pro Stunde und Temperaturen von über 40 Grad Celsius fachten die Brände weiter an. Die Lage sei dramatisch, erklärte der Präsident der Regionalregierung der spanischen Inselgruppe, Paulino Rivero.
Die Löschmannschaften auf Gran Canaria führten weiter einen verzweifelten Kampf gegen den seit Tagen wütenden Waldbrand, der bis Dienstag 10.000 Hektar Wald in der Region um den Urlaubsort Mogan im Südwesten der Insel verwüstete.
Hotelanlage geräumt
Der Clubreiseveranstalter Aldiana räumte auf Gran Canaria eine Hotelanlage, die in einem Tal im Inselinneren knapp eine Autostunde vom Meer entfernt liegt.
"Das Feuer hat sich inzwischen auf die gegenüberliegende Hangseite vorgearbeitet. Deshalb haben wir bereits am Montag abend unsere 40 Gäste aus dem Bergclub in ein Hotel nach St. Augustin ans Meer in Sicherheit gebracht", sagte eine Sprecherin. Aldiana gehört zu den führenden deutschen Cluburlaub-Anbietern. Der Reisekonzern Thomas Cook hält eine Minderheitsbeteiligung.
Der Nachrichtenagentur Efe zufolge zerstörten die Flammen auch 65 Prozent des Vogelschutzparks Palmitos. Acht Löschflugzeuge waren dem Bericht zufolge im Einsatz, um das Feuer einzudämmen, das am vergangenen Freitag ausgebrochen war. Der Waldbrand gilt als einer der schwersten in der Geschichte der Kanarischen Inseln. Ein Forstarbeiter gestand am Wochenende, das Feuer gelegt zu haben.
Forderung nach europäischer Feuerwehr
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas sprach sich unterdessen für die Schaffung einer europäischen Feuerwehrtruppe zur Bekämpfung von Waldbränden aus.
Angesichts der in Südosteuropa und Spanien wütenden Flammenherde griff der griechische EU-Kommissar eine Idee seines französischen Exkollegen Michel Barnier wieder auf. Dieser hatte bereits im vergangenen Jahr die Einrichtung einer Art schnellen Eingreiftruppe für Naturkatastrophen und andere Notfälle vorgeschlagen.
Schnelle Hilfe notwendig
Für Waldbrände sollten demnach eine Reserve an Feuerwehreinheiten und insgesamt zehn Löschflugzeuge in verschiedenen EU-Staaten bereitgestellt werden, die im Notfall jederzeit abrufbar wären.
Zwar werden die von den Waldbränden betroffenen Länder in Südeuropa auch jetzt schon von anderen EU-Staaten unterstützt, Deutschland und mehrere andere Länder schickten Löschflugzeuge und andere Hilfe ans Mittelmeer. Mit einer ständig abrufbereiten Eingreiftruppe ließe sich Hilfe aber schneller mobilisieren, erklärte Dimas’ Sprecherin Barbara Helfferich.
AP/Reuters
(SZ 31.07.2007  12:15 Uhr)
Süddeutsche Zeitung
 
Großfeuer auf Teneriffa
Seit gestern 10.00 Uhr fressen sich auf Teneriffa mächtige Flammen durch das riesige Naturreservat im Norden der Insel. Heiße Calima-Stürme heizen das Feuer, das mittlerweile über 13.000 Hektar Land zum Teil vernichtet hat, zusätzlich an.
Mit einer Geschwindigkeit von über 13 Meter pro Sekunde ist das Feuer für die Bomberos von Teneriffa nicht unter Kontrolle zu bringen. Nur zwei Löschhelikopter konnten gestern Nachmittag die Bodenkräfte unterstützen, 11 von Ihnen waren auf der Nachbarinsel Gran Canaria im Einsatz um die Ortschaften Mogan und San Bartolome vor der Evakuierung zu bewahren. Nachdem sich das Feuer im Raum Los Realejos auf Teneriffa schnell ausgebreitet hat mußten mehr als 2.000 Personen aus ihren Häusern in Sicherheit gebracht werden. Die Zahl ist inzwischen auf über 8.400 Pesonen gestiegen. Gebrannt hat es, und tut es zum Teil immernoch in den Zonen Los Realejos (erste Meldung) El Tanque, Garachico, Icod, Los Silos, Buenavista, Chío, Santiago del Teide und Guia de Isora. Heute werden weitere Einsatzkräfte aus El Hierro und La Palma erwartet um den Flammen auf Teneriffa Herr zu werden.
Der Radius des Feuers beträgt zur Zeit 62,8 km und ist damit größer als beim letzten verheerenden Brandes von 1983.
Im Nord-Osten der Insel vor Los Realejos wurde ein Gegenfeuer entzündet um ein Übergreifen auf das La Orotavatal zu verhindern.
Inselpräsident Ricardo Melchior informierte heute morgen in einer Pressemitteilung, daß das Feuer bisher noch keine Personenschäden verursacht hat und auch größtenteils unter Kontrolle ist.
Die Zufahrtstraßen nach Chio, Masca, Teide, Santiago del Teide - bis hin nach Icod bleiben bis auf weiteres gesperrt.
31.07.2007
Radio Megawelle
 
Brände auf Gran Canaria und Teneriffa eingedämmt - Hitze abgeflaut
Las Palmas, Gran Canaria / Santa Cruz, Teneriffa, Kanarische Inseln
Nach tagelangem Kampf haben die Löschmannschaften auf den Kanarischen Inseln die verheerenden Waldbrände eingedämmt. Auf Gran Canaria brachte die Feuerwehr die Flammen am Mittwoch unter Kontrolle. Mehr als 5000 Inselbewohner, die vor den Flammen in Sicherheit gebracht worden waren, konnten in ihre Wohnungen zurückkehren.
Auch auf der Nachbarinsel Teneriffa durften tausende Menschen ihre Notunterkünfte verlassen und heimkehren. Nach Angaben der Behörden waren am Mittwoch dort von den ursprünglich 9000 Betroffenen nur noch 500 in Sporthallen untergebracht. Die Löschmannschaften konnten ein weiteres Ausbreiten der Waldbrände und ein Übergreifen auf das als ökologisch wertvoll geltende Orotava-Tal verhindern.
Die Verantwortlichen gingen davon aus, dass die Flammen auch auf Teneriffa bis zum Abend unter Kontrolle gebracht würden. Insgesamt brannten auf Gran Canaria und Teneriffa 35 000 Hektar Wald- und Buschland nieder. Damit wurde nach Angaben der Zeitung "El País" ein Drittel des Waldbestandes der beiden Inseln vernichtet.
Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sagte den Betroffenen Hilfe zu. "Für alle Verluste wird es eine Entschädigung geben", versprach der Regierungschef bei einem Besuch der Inselgruppe. Die Madrider Regierung werde am Freitag auf einer Sondersitzung ein erstes Hilfspaket verabschieden.
Die Löscharbeiten waren durch einen Wetterumschwung erleichtert worden. Die Hitzewelle der vergangenen Tage mit Temperaturen von über 40 Grad flaute merklich ab. Der Wind, der die Flammen vorangetrieben hatte, ließ nach.
Die Waldbrände auf beiden Inseln waren nach Erkenntnissen der Lokalbehörden von Brandstiftern ausgelöst worden. Auf Gran Canaria soll ein Forstarbeiter aus Wut über seine bevorstehende Entlassung das Feuer gelegt haben. Der 37-Jährige befindet sich in Untersuchungshaft. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis. Auf Teneriffa hatten die Waldbrände in einem Gebiet begonnen, in dem es in letzter Zeit zahllose Fälle von Brandstiftung gegeben hatte. Die Behörden werteten dies als Anzeichen dafür, dass auch die Waldbrände auf Teneriffa von Kriminellen gelegt worden waren.
Zapatero forderte eine harte Bestrafung von Brandstiftern. Die Realität in Spanien sieht jedoch anders aus. Vor einem Jahr waren nach den großen Waldbränden in der nordwestspanischen Region Galicien rund 190 Verdächtige festgenommen worden. Davon befindet sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft derzeit nur einer in Haft. dpa
1. August 2007
Teneriffas Neue Presse
 
Feuerbrunst auf den Kanaren
Umweltschützer werfen Behörden Versäumnisse vor
Verzweifelte Anwohner, verwüstete Natur, Urlauber in Panik: Zum ersten Mal seit Menschengedenken stehen Teneriffa, Gran Canaria, Gomera und La Palma gleichzeitig in Flammen. Umweltschützer werfen nun den Behörden vor, zu spät reagiert zu haben.
Las Palmas/Santa Cruz - Die Brandkatastrophe auf den kanarischen Inseln nimmt immer größere Ausmaße an. Inzwischen melden die Behörden Feuer auf Gran Canaria, Teneriffa, Gomera und auch auf La Palma. Nach Angaben von Einheimischen ist es das erste Mal, dass Großbrände auf allen vier Inseln zur gleichen Zeit wüten.
Teneriffa ist die am schlimmsten betroffene Insel. 8800 Menschen mussten sich in Sicherheit bringen, rund 15.000 Hektar Land sind verwüstet und 900 Häuser zerstört. Der Nationalpark rund um den Vulkan Teide - mit 3718 Metern Spaniens höchster Berg - wurde von den Flammen verschont.
Auf Gran Canaria flüchteten 5200 Menschen vor den Flammen, darunter auch 40 deutsche Urlauber. Die Touristen wurden aus ihrem Hotel in den Bergen nahe San Bartolomé de Tirajana in Sicherheit gebracht. Das Feuer hatte sich der Anlage bis auf einen Kilometer genähert, wie der Rundfunk berichtete. Die Deutschen wurden in einer anderen Herberge an der Küste untergebracht. Mindestens 10.000 Hektar Wald sind verbrannt. Das Feuer auf Gran Canaria hatte ein Forstarbeiter aus Wut über seine bevorstehende Entlassung gelegt. Der 37-Jährige sitzt in Haft, ihm drohen zehn Jahre Gefängnis.
Die Feuer auf Gomera und La Palma sind kleiner, haben aber ebenfalls große Zerstörungen angerichtet. Nach Angaben der Behörden wurden bislang auf allen Inseln insgesamt 35.000 Hektar Wald- und Buschland ein Raub der Flammen. Vor allem Pinienwälder wurden vernichtet.
Bei den Löscharbeiten wurden zwei Soldaten verletzt, als ihr Tankwagen umstürzte. Zudem erlitten dutzende Menschen Rauchvergiftungen und Nervenzusammenbrüche.
Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat seinen Urlaub abgebrochen und reist heute in die von Waldbränden betroffenen Gebiete auf den Kanarischen Inseln. Wie die Madrider Regierung mitteilte, will der Regierungschef sich ein Bild vom Ausmaß der verheerenden Feuersbrünste auf Gran Canaria und Teneriffa machen.
Die spanische Regierung kündigte die zusätzliche Entsendung von 150 Soldaten zur Brandbekämpfung an. "Die Lage ist sehr alarmierend", räumte Umweltministerin Cristina Narbona bei einem Besuch auf Gran Canaria ein. Sie sagte finanzielle Unterstützung für die Betroffenen zu. Umweltschützer kritisierten unterdessen, die Behörden hätten viel zu spät reagiert und nicht genügend Mittel zur Verfügung gestellt.
Der kanarische Regierungschef Paulino Rivero bezeichnete die Lage als "dramatisch". Bei den Löscharbeiten habe der Schutz besiedelter Gebiete Vorrang vor der Rettung des Waldes. Rivero hatte zuvor dem privaten Rundfunksender Cadena Ser gesagt, auch ein Teil des Naturschutzgebiets "Palmitos Park", das 150 verschiedene Vogelarten beheimatet, sei niedergebrannt. Zwar waren die Löschtrupps ununterbrochen im Einsatz, wegen des starken Windes und der großen Hitze konnten sie aber nur einige der Feuerfronten unter Kontrolle bringen. Zudem konnten die Löschhubschrauber nur bei Tageslicht eingesetzt werden.
ffr/dpa/AP/AFP
01. August 2007
Spiegel Online
 
Feuersbrunst auf den Kanarischen Inseln
Entsetzen im Urlaubsparadies
Auf den Kanarischen Inseln wüten Brände und bedrohen Wälder und Ferienzentren - über 10.000 Bewohner und Urlauber wurden vor den Flammen in Sicherheit gebracht.
Von Javier Cáceres
Die Zungen aus Feuer bohrten auch am Dienstag ihre Schneisen durch die Urlaubsparadiese; dabei hatten Behörden und Reiseveranstalter zumindest im Fall von Gran Canaria geglaubt, die Folgen eines niederträchtigen Verbrechens seien unter Kontrolle.
Doch dann nahmen die Meldungen aus den Brandgebieten der Kanarischen Inseln so dramatische Züge an, dass sowohl Umweltorganisationen wie die Regionalregierung von der größten Ökokatastrophe der vergangenen 500 Jahre sprachen. Und es war absehbar, dass die Verwüstung noch größer werden würde.
Auf den Inseln Teneriffa und Gran Canaria mussten über 10000 Menschen gerettet werden, darunter nach Angaben von Urlaubsveranstaltern auch einige Dutzend deutsche Touristen.
Die Flammen wüteten auf einem Gebiet von insgesamt mehr als 35000 Hektar; das Feuer sprang von Pinienwipfel zu Pinienwipfel. Die Behörden rechnen damit, dass mindestens 20 Prozent der Wälder restlos abgebrannt sind. Das ganze Ausmaß wird erst zu sehen sein, wenn die letzte Glut erloschen ist.
Wann das sein wird, ist noch nicht absehbar. Die Arbeit der Rettungskräfte wird unter anderem durch enorm hohe Temperaturen erschwert; auf den Inseln wurden am Dienstag bis zu 44 Grad gemessen. Immerhin nahm der heiße, trockene Wind ein wenig ab. Am Montag waren noch Böen von mehr als 70 Kilometern pro Stunde gemessen worden und hatten dem Feuer nicht nur beste Bedingungen geboten, sich auszubreiten, sondern auch den Einsatz von Löschhubschraubern zeitweise unmöglich gemacht. Außerdem fachte der Wind mehrere schon beinahe erstickte Feuer neu an.
Die Brände im Nordwesten Teneriffas und dem Inselzentrum von Gran Canaria sind den bisherigen Ermittlungen zufolge auf Brandstiftung zurückzuführen. Ein Brand auf einer dritten Insel, La Gomera, geht offenbar auf einen Kurzschluss zurück und wurde am Dienstagmittag unter Kontrolle gebracht. Während der Urheber des am Montag ausgelösten Brandes von Teneriffa noch nicht gefasst ist, wurde der geständige Brandstifter von Gran Canaria bereits dem Haftrichter vorgeführt.
Es handelt sich um einen 37-jährigen Förster namens Juan Antonio N. A., dessen Vertrag im September auslief. Unklar blieb am Dienstag, ob er den Brand legte, um seinem Arbeitgeber zu zeigen, dass er unersetzlich sei, oder ob es reiner Frust war. Als gesichert gilt hingegen, dass er selbst die Feuerwehr rief, als das Feuer sich unkontrolliert ausbreitete.
"Es ist unerträglich"
"Die Lage ist sehr kompliziert", sagte der kanarische Regierungschef Paulino Rivero am Dienstag. Besonders das unwegsame Gelände mit den vielen Schluchten stellte die Rettungskräfte vor eine enorme Herausforderung. Auf Gran Canaria war auch das Urlaubszentrum Mogán betroffen, ebenso eine zoologische Touristenattraktion namens Palmitos Park. Unter den Häusern, die abgebrannt sind, war auch das Haus des Bürgermeisters von Mogán.
Bei der Räumung von kleineren Ortschaften kam es zum Teil zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Viele wollten ihre Besitzungen nicht verlassen. "Ich weiß, das Leben ist das Wichtigste. Aber alles hinter dir zu lassen, wofür du dein Leben lang gearbeitet hast, das ist unerträglich", erklärte eine Frau schluchzend im spanischen Fernsehen.
(SZ vom 1.8.2007)
Süddeutsche Zeitung
 
Urlauberorte sind nicht betroffen
Auf den Kanaren versuchen Hoteliers, von der Saison zu retten, was geht.
Teneriffa (rs, ag). Nach drei dramatischen Tagen hat sich die Situation auf den Kanarischen Inseln entspannt: Einsatzkräfte konnten die großflächigen Waldbrände auf den spanischen Ferieninseln Teneriffa und Gran Canaria unter Kontrolle bringen. Die Feuer breiten sich nicht weiter aus.
Geschockt vom Ausmaß der Katastrophe trat Spaniens Regierungschef José Luis Zapatero vor die Mikrofone. Zuvor hatte er die wie nach einem Vulkanausbruch glühende und qualmende Landschaft im Hubschrauber überflogen. Er verspricht finanzielle Hilfe für die Bewohner und ihre geschundene Inselwelt.
Annähernd tausend Häuser sollen abgebrannt sein, vom Schaden an der Natur ganz zu schweigen. Zapatero droht den Brandstiftern harte Strafen an.
Auf Gran Canaria gestand ein Forstarbeiter, das Feuer gelegt zu haben. Auch auf Teneriffa ist vermutlich gezündelt worden.
Die Tourismusverwaltung auf Gran Canaria beruhigt derweil die Feriengäste und versichert, „dass die Urlaubszonen, die sich fast alle an der Küste befinden, nicht von dem Feuer betroffen sind“. Und: Wer einen Kanaren-Urlaub geplant habe, könne diesen ohne Probleme antreten. Auch die großen Reiseveranstalter versichern, dass es nur wenig Stornierungen gebe und die Urlauber weiter in Scharen Richtung Kanaren fliegen. Etliche wollten lediglich wissen, „ob ihr Urlaubsort betroffen ist“.
Straßen sind gesperrt
Viele Ausflüge ins Hinterland sind derzeit allerdings nicht möglich. Dutzende Bergstraßen auf Gran Canaria und Teneriffa sind gesperrt. Die Feuerwehr rechnet damit, dass die Löscharbeiten noch bis zu einer Woche dauern werden. Die Brände seien zwar eingedämmt, aber in vielen unzugänglichen Regionen könne man kaum mehr machen, als warten, „bis alles verbrannt ist“.
 
Auch in Griechenland und Bulgarien konnten am Mittwoch die Waldbrände weitgehend unter Kontrolle gebrachten werden.
01.08.2007  18:49
"Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2007
Die Presse
 
Teneriffa - Großfeuer größtenteils unter Kontrolle
Icod, Masca, Guía de Isora,
Rund 20.000 Hektar Wald auf Teneriffa sind von den Flammen betroffen. Mehr als 12.000 Canarios und Residenten sind vor den Flammen in Sicherheit gebracht worden.
Es ist eine unbeschreibliche Katastrophe, sagte Paulino Rivero, Präsident der kanarischen Inseln, gestern in einer Pressekonferenz. Mehr als 2.000 Bodenkräfte, 3 Helikopter, ein Löschflugzeug und 13 Löschbatallione haben die gesamte Nacht über gegen die Flammen im Norden und Westen Teneriffas gekämpft. Abflauender Calima und leichter Nieselregen hat die Situation entschärft. 2 Löschhelikopter sowie 2 Löschflugzeuge werden heute Mittag auf dem Archipel erwartet um die Brände im laufe des Tages unter Kontrolle zu bekommen. Zur Stunde sind auf Teneriffa die oberen Zonen von Icod, San José de los Llanos, Tamaimo, Guía de Isora, und La Montaneta sowie Agua Garcia betroffen.
Ein neues Feuer ist gestern Vormittag auf La Gomera ausgebrochen. Die Flammen in der betroffenen Zone um Alajero konnten innerhalb von 12 Stunden unter Kontrolle gebracht werden. Die Einsatzkräfte rechnen heute damit das Feuer auf Gran Canaria unter Kontrolle zu bringen. Ein Drittel der Waldfläche auf Gran Canaria ist bisher von den Flammen zerstört worden. Mit einer Rückkehr in ihre Wohnanlagen können betroffene Personen vorerst nicht rechnen. Cristina Narbona gestern: Erst wenn die Brände unter Kontrolle sind und keine Gefahr mehr besteht, werden die Zugangsstraßen wieder freigegeben. Die Autobahn rund um Teneriffa ist weiterhin frei befahrbar. Mit Behinderungen bzw. Sperrungen muss oberhalb von 1.000 Metern im kompletten Nordwesten und Südwesten der Insel Teneriffa gerechnet werden. Weiterhin gilt aufgrund der hohen Waldbrandgefahr es als selbstverständlich keine brennenden Zigaretten aus dem Fenster zu werfen und auf offenes Feuer zu verzichten.
Aufgrund der großen Waldbrände auf Teneriffa, sind bei vielen Einwohnern und Firmen die Breitbandverbindungen ADSL ausgefallen. Viele Banken und anderen Dienstleister konnten aufgrund dieser Ausfälle keine Kundenberatungen vornehmen und hielten ihre Türen gestern geschlossen. Laut einem Sprecher der Telefonica ist ein Glasfaserknotenpunkt von den Flammen betroffen, die Ursache für den Ausfall. Auch heute muss im Laufe des Tages stellenweise mit Ausfällen der Internetverbindung gerechnet werden. Die Telefonleitungen seien laut Telefonica von den Ausfällen aber nicht betroffen.
Bilanz: In Teneriffas Norden ist das historische Mascatal verbrannt! Rund ein Drittel der Waldfläche auf Gran Canaria ist vernichtet, schwelende Waldgebiete auf La Gomera. Neun von Zehn Bränden sind vom Menschen verursacht worden berichtete Cristina Narbona gestern auf einer Pressekonferenz. Die Einsatzkräfte rechnen damit die Brände auf Gran Canaria und Teneriffa heute unter Kontrolle zu bekommen. Sofern sich die Wetterlage nicht verändert. Auffrischender Wind und heiße Temperaturen könnten das Feuer weiter ausbreiten. Mit einer Rückkehr in ihre Wohnanlagen können betroffene Personen vorerst nicht rechnen.
01.08.2007
Radio Megawelle
 
Bewohner auf Gran Canaria können in ihre Wohnungen zurückkehren
Die Löschmannschaften haben die verheerenden Waldbrände auf Gran Canaria unter Kontrolle gebracht. Gemäß Behördenangaben konnten mehr als 5000 Inselbewohner in ihre Wohnungen zurückkehren.
Auf der Nachbarinsel Teneriffa mussten noch über 9000 Menschen wegen der Brände die Nacht in Sporthallen und anderen Notunterkünften verbringen. Die Verantwortlichen gingen davon aus, dass die Feuerwehr die Flammen bis zum Abend unter Kontrolle bringen würde.
Die Waldbrände auf beiden Inseln waren nach Erkenntnissen der Lokalbehörden von Brandstiftern gelegt worden. Auf Gran Canaria und Teneriffa brannten insgesamt 350 Quadratkilometer Wald- und Buschland nieder. Damit wurde nach Angaben der Zeitung "El País" ein Drittel des Waldbestandes der beiden Inseln vernichtet.
Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero traf auf den Kanaren ein. Er forderte eine harte Bestrafung von Brandstiftern. Die Löscharbeiten waren durch einen Wetterumschwung erleichtert worden. Die Hitzewelle der vergangenen Tage mit Temperaturen von über 40 Grad flaute merklich ab.
Kleinere Brände waren am Vorabend auf der Mittelmeerinsel Kreta sowie auf der Kykladeninsel Andros ausgebrochen. Die Feuerwehr setzte Löschhelikopter und Flugzeuge ein, um die Brände zu löschen, bevor sie ausser Kontrolle gerieten.
14:00 -- Newsticker Ausland
Mittwoch, 01. August 2007
Der Tagesanzeiger
 
Horror nach der Flammenhölle
Aus Puerto de la Cruz berichtet Anne Seith
Die verwüsteten Landstriche der Kanaren wirken wie Kriegsgebiete. Gigantische Feuer fraßen sich tagelang durch Wälder und Dörfer. Vor allem auf Teneriffa und Gran Canaria haben sie Existenzen zerstört - und erzeugen Angst, dass sich derartige Katastrophen wiederholen.
Puerto de la Cruz - Man sieht erst auf den zweiten Blick, wie müde Humberto Gutiérrez ist. Der Koordinator der Löschtruppen in Teneriffa wirkt mit seinen lockeren halblangen Haaren, den Lachfalten im braungebrannten Gesicht und dem lässigen gelbgrünen Overall im ersten Moment wie der Darsteller irgendeiner Feuerwehrmänner-Heldenserie. Doch seine Lippen sind aufgesprungen, er hat Ringe unter den Augen und spielt nervös mit dem Jeepschlüssel, ohne es zu merken. Stumpf blickt er auf die gespenstische schwarze Waldkulisse hinter sich, auf den mit heller Asche überzogenen Boden, auf die verkohlten Pinien, zwischen denen immer wieder Ascheschwaden hindurch wehen. An einigen Stellen raucht der Boden noch. "Das wird mindestens 15 Jahre dauern, bevor sich die Fauna hier erholt hat", sagt der Umweltingenieur. "Ich bin seit 13 Jahren im Beruf - und es ist das erste Mal, dass ich mich machtlos fühle."
Dabei will er auf der Rundtour durch die verbrannten, stinkenden Waldflächen eigentlich von den Erfolgen der Feuerwehrleute erzählen. Zeigen, wo sie die Flammen niedergekämpft haben, indem sie ihnen Wasser und schaufelweise Dreck entgegenschleuderten, damit das Feuer nicht die ganze Insel frisst. Zeigen, wo die rund 1000 Einsatzkräfte einfach machtlos waren angesichts der ungeheuren Zerstörungswut, der Rekordtemperaturen von über 40 Grad und des erbarmungslosen Windes, der die Lösch-Helikopter am Einsatz hinderte. Denn längst haben sich die Kritiker gemeldet.
Zu wenig Einsatzkräfte habe es gegeben, nur so konnte sich das verheerende Feuer auf der Touristeninsel so weit nach Westen ausbreiten, sich in nur sieben Stunden durch fast 15.000 Hektar fressen und zwischenzeitlich über 8000 Menschen aus ihren Häusern vertreiben. 500 Feuerwehrleute seien im Einsatz gewesen, und noch einmal genauso viele Freiwillige, sagt er immer wieder. "Auch mit dreimal so viel Leuten hätten sie das nicht verhindern können. Und auch nicht mit 30-mal so viel", sagt Gutiérrez mit Nachdruck, als die heimische Journalistenschar die ersten bohrenden Fragen stellt. Seine Botschaft ist klar: So etwas passiert einfach, Naturgewalt. "Feuer gibt es jedes Jahr", sagt Gutiérrez.
Gewaltige Feuersbrünste - "Einfach nur brutal"
So gewaltige Feuersbrünste haben die Kanaren jedoch lange nicht erlebt . Auf Gran Canaria toben die Flammen seit dem Wochenende, verwandelten ein ganzes Dorf in eine Geisterortschat, zwangen Tausende, ihre Häuser zu verlassen und nächtelang in Turnhallen und Schulen zu übernachten. Auf Teneriffa brach das Feuer am Montag aus. "Einfach nur brutal", beschreibt der Mitarbeiter eines deutschen Anzeigenblattes auf der Insel die Flammen, die sich vor seinen Augen in Windeseile die Berge hochfraßen. Eine junge Frau in Teneriffa erzählt, wie sie nach dem Ausbruch des Feuers die ganze Nacht wach blieb: "Wir haben die Flammen auf den Hügeln beobachtet, ob sie in unsere Richtung kommen oder vom Wind nach Westen geweht werden", sagt sie.
Die Gewalt, mit der sich die Flammen ausbreiteten, sei beängstigend gewesen, heißt es immer wieder. Rekordtemperaturen über 40 Grad machten den Kampf, die Flammen zu besiegen, fast aussichtslos. Noch dazu hinderte ein heftiger Saharawind die Löschhelikopter am Abheben. Auf Satellitenbilder sahen die beiden Inseln deshalb zeitweise aus wie Kriegsgebiet, so viel Rauch stieg auf. 35.000 Hektar insgesamt waren von den Bränden betroffen, eine Fläche so groß wie München. In Teneriffa ist ein Viertel der Waldfläche betroffen, in Gran Canaria ein Drittel, auch ein Teil des Naturschutzgebiets "Palmitos Park", das 150 verschiedene Vogelarten beheimatet, ist dort verbrannt. Es ist die schlimmste ökologische Katastrophe, die die Inseln je erlebten, heißt es.
Der kleine Ort Mogán in Gran Canaria sieht inzwischen aus wie ein Geisterdorf, die verzweifelten Bewohner kehrten schon vor zwei Tagen zurück zu den Trümmern ihrer Existenz. Immer wieder laufen die Bilder durchs Fernsehen, zeigen, wie die Bewohner buchstäblich vor dem Nichts stehen. "Mit den Tränen, die ich geweint habe, hätte ich mein Haus retten können", beschrieb ein Mann sein Unglück. In einem anderen Ort musste ein Dorfbewohner gezwungen werden, sein Anwesen zu verlassen: Er weigerte sich beharrlich und schüttete aus Verzweiflung eimerweise Wasser vom Balkon. Die anderen schon evakuierten Einwohner versuchten danach mehrmals, die Straßensperren zu brechen, um zurück zu ihrem Hab und Gut zu kommen.
Seit Jahren lebt die Bevölkerung in Angst vor dem Zündler
Kein Wunder, dass es jede Menge Wut und auch wilde Gerüchte über die Brände gibt. Seit zehn Jahren breche in Teneriffa immer wieder in der gleichen Region Feuer aus, erzählt eine lustige Frau mit knallrot gefärbtem Zopf, die in einem Tante-Emma-Laden bedient. "Es gibt so eine Geschichte von so einem Mann, der im Verdacht steht." Auch ein anderer Kanarier hat davon schon gehört: "Er soll in der Gegend von La Corona wohnen." Sicher ist, dass es die Behörden in Teneriffa inzwischen für sehr wahrscheinlich halten, dass jemand das Feuer aus Absicht gelegt hat. Man habe entsprechende Spuren gefunden, erzählt ein Insider. Dass die Polizei bisher offensichtlich mit den Zündlern, die seit Jahren die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen, nicht fertig wird, empört viele Insulaner besonders. Auch Gutiérrez erzählt an der Brandstelle: "Seit Februar gab es hier alle zwei Wochen ein Feuer." Es sei eben schwierig, die Schuldigen zu finden, darauf hat er auch keine wirklich Antwort.
Brandstiftung ist häufig der Grund für gigantische Feuersbrünste in Spanien, so wahnsinnig es sich anhört. In Gran Canaria hatte ein 37-jähriger Waldarbeiter gezündelt, der so die Verlängerung seines Vertrages erzwingen wollte. Viele Menschen hoffen jetzt, dass an ihm ein Exempel statuiert wird. Denn laut Gesetz kann er zu einer Haftstrafe bis zu 20 Jahren verurteilt werden. Doch an den klimatischen Gründen für den Brand wird das auch nichts ändern. "Es gibt hier jedes Jahr Feuer", sagt Gutiérrez noch einmal, bevor er sich in den Jeep setzt und mit seinen Gästen durch den aufstiebenden Staub davon donnert. Immerhin, für dieses Mal scheint es zu Ende. Das Wetter hat vor einem Tag gedreht, es ist merklich kühler geworden, sogar ein paar Regentropfen fallen. Sie werden helfen, auch noch die letzen Flammen zu löschen - dann muss der Schaden betrachtet werden. Und die Frage zum x-ten Mal diskutiert werden, wie man den Naturgewalten, wenn sie einmal entfesselt sind, Einhalt gebieten kann.
02. August 2007
Spiegel Online
 
Über die Hügel kamen die Flammen
Aus Masca berichtet Anne Seith
Malerische Gassen, herrliche Gebirgslandschaft: Masca war eines der Touristenhighlights auf Teneriffa. Ausgerechnet dieses Dorf haben die verheerenden Brände am stärksten erwischt. Jetzt kehren die Bewohner in das zurück, was von ihren Häusern übrig ist.
Masca - Josefas Nichte geht stumm, mit rußverschmierten Armen, durch die Trümmer. Ihre Großnichten sitzen geschockt auf dem Terrassengeländer. Also übernimmt Josefa Hernández selbst das Reden. Erklärt, wie es früher in der "Bar de los Fuentes" aussah: "Hier war ein wunderschöner angebauter Salon, mit Holzdach und ganz alten Möbeln", sagt sie.
Die 69-Jährige, die viele nur Doña Josefa nennen, zieht die Strickjacke vor der Brust enger zusammen. Von dem Raum ist nur eine Wand aus rotem Stein übrig. Das Dachgestell ist herab gestürzt und bildet ein Stangengewirr auf der Terrasse, wie ein Klettergerüst auf einem Abenteuerspielplatz. Das Schwarz, das hinter den Fenstern des grauen Steinhauses klafft und alles Licht schluckt, lässt erahnen, dass auch im Haupthaus nicht viel übrig geblieben ist. Nur auf der runden Terrasse mit dem atemberaubenden Blick ins Tal stehen noch intakte Holztische und Stühle, die ein Bild von lauem Sommerabend und Rotwein vor dem inneren Auge entstehen lassen.
"Morgens zwischen neun und zehn, wenn die Sonne noch nicht so brennt, war es in Masca am schönsten", sagt Josefa, "dann leuchteten die Farben von den Bäumen am stärksten. Jedes Grün war anders." Nun haben die verheerenden Brände, die Anfang der Woche auf Teneriffa auf insgesamt 15.000 Hektar wüteten, ausgerechnet das abgelegene, mitten im Gebirge gelegene Dörfchen mit seinen engen kopfsteingepflasterten Gassen und den hübschen Steinhäusern am schlimmsten erwischt. Das einzig halbwegs ursprüngliche Überbleibsel im sonst vielerorts ziemlich verbauten Teneriffa. Mehrere Häuser brannten aus, die am Berghang angelegten Gartenterrassen sind jetzt schwarz verkohlt und mit Asche überzogen.
Josefa Hernández ist in dem 100-Einwohner-Dorf geboren, kann sich noch an die Zeiten erinnern, als der kleine Ort ausschließlich mit dem Esel erreichbar war und nur ein einziges Telefon besaß. Obwohl sie dort schon lange nicht mehr wohnt, hat sie sich auch heute nicht aufhalten lassen, ihre Familie zu besuchen und die Folgen der Brände selbst in Augenschein zu nehmen. Dabei ist die Straße eigentlich noch immer gesperrt. Nur die Dorfbewohner durften, nach drei Nächten in einer Sporthalle, zu ihren Häusern zurückkehren. Oder zu dem, was davon übrig ist.
"Wenn ich laut klage, hilft es ja auch nichts"
Josefa Hernández ist eine nüchterne Frau. "Wenn ich laut klage, hilft es ja auch nichts", sagt sie. Auf dem langen Serpentinenweg hatte die 69-Jährige mit den sorgfältig frisierten roten Locken das für seine Pflanzenwelt berühmten Gebirge deshalb noch ziemlich ruhig betrachtet. Gigantische schwarze Flecken bedeckten die Abhänge, so groß, dass man sie im ersten Moment für Schatten der gegenüber liegenden Gipfel halten wollte. "Von dort, über die beiden Hügel, kamen die Flammen", erklärt sie.
Doch als sie am Ortseingang das erste zerstörte Haus einige hunderte Meter weiter entdeckt, kommen sie doch, die Emotionen. "Da lebte eine Engländerin, schon seit Jahren, die Kunsthandwerk verkaufte", erklärt Josefa. "Schmuck aus Makramee und solche Sachen." Aus der Ferne sehen die abgebrannten Wände nun aus wie ausgefledderte, schwarze Pappe. "Das ist wirklich...", flüstert Josefa, ohne den Satz zu beenden.
Jetzt will sie im Ort die Schäden zeigen, damit die Inselregierung und auch der spanische Ministerpräsident so schnell wie möglich helfen, das Dorf wieder so aufzubauen, wie es vorher war. Doch nicht alle Bewohner von Masca sind davon begeistert. Josefas Neffe will nur Fotos von seinem Keramikgeschäft und den hübschen Steingassen vor seiner Bar zulassen, die von den Flammen verschont geblieben sind. "Wenn sie schreiben, dass alles kaputt ist, kommen die Touristen nicht mehr", sagt er ängstlich. Dann erzählt er immer wieder von der Gastfreundschaft im Ort, zieht ein altes Zweimark-Stück aus dem Geldbeutel, das ein Gast ihm einst schenkte. Erzählt eine Geschichte, wie ein deutscher Tourist eine versehentlich nicht bezahlte Kaffeerechnung nach fünf Jahren noch beglich und so zum Freund wurde.
Angst, dass die Touristen im nächsten Jahr wegbleiben
So reagieren viele in Masca auf Fragen, schließlich lebt das einstige Bauerndorf inzwischen fast ausschließlich von den ungezählten Besuchern, die in Reisebussen über die Serpentinen kommen. "In einigen Monaten wird hier alles sein wie früher", sagt ein Dorfbewohner deshalb und zeigt auf die Gebirgsgipfel ringsum. "Sehen Sie, dort ist alles unbeschadet, und dort auch." Er hat sich wie die meisten vor einem Restaurant eingefunden, das immer noch blütenweiß und pittoresk über dem Ort thront. Fast könnte man die Menschen, die dort Tee und Kaffee aus riesigen Thermosflaschen zapfen, für eine Ausflugsgruppe halten. Wenn die aufgeregten Diskussionen nicht wären.
3000 bis 6000 Euro hat die Inselregierung für von den Bränden besonders betroffene Bewohner versprochen, eine Summe, die hier mehr Wut als Begeisterung erzeugt. Und wie so oft dieser Tage geht es um die alles entscheidende Frage, ob man die gewaltigen Feuersbrünste hätte verhindern können. "Es ist alles die Schuld der Umweltbehörde. Sie kümmern sich einen Dreck um die Palmen", schimpft eine Frau. Sobald die hübsch anzuschauenden Blätter vertrocknet seien, brennen sie beim kleinsten Funken lichterloh, sagt sie. Eigentlich müssen sie deshalb regelmäßig "gesäubert" werden, wie es die Insulaner nennen. "Aber das passiert nicht", stimmt ein anderer Dorfbewohner der Frau zu. Früher habe man sich selbst darum gekümmert und auch die staubtrockenen Gewächse in den Terrassengärten eigenhändig abgebrannt. "Aber das ist jetzt verboten. Jemand anders macht es aber auch nicht." Dann fügt aber auch er eilig hinzu: "Wenn der Regen kommt, erholt sich die Natur schnell."
Auch Bürgermeister Aurelio Abreu versucht, Optimismus und Geschäftigkeit zu verbreiten. "Ich kümmere mich hier um die ganze Organisation", sagt er. "Als erstes musste wieder für Strom und Wasser gesorgt werden", sagt er. Dann habe sich heute mit der Inselregierung zusammengesetzt, um die Lage zu beraten. "Die, die nicht zurückkehren können, bekommen eine Unterkunft gestellt", sagt er nun. Und auf das Versprechen von Ministerpräsident Zapatero, die bisher noch vollkommen unabsehbaren Folgen der Brände auf den Kanaren ohne Einschränkung aus öffentlichen Mitteln finanzieren zu wollen, könne man sich verlassen. "Es wird eine signifikante Summe fließen", sagt er, als könnte die offizielle Formulierung der Botschaft noch mehr Glaubwürdigkeit verleihen.
Josefa Hernández ist skeptisch: "Politiker reden viel." Zuversicht schöpft sie aus anderen Quellen. Masca sei, sagt sie, früher immerhin mal ein Bauerndorf gewesen. "Die Leute hier können sehr hart arbeiten. Und sie halten zusammen
03. August 2007
Spiegel Online
 
Wenn Feuer so effektiv wie Bomben sind
Aus Santa Cruz La Palma berichtet Anne Seith
Halb Südeuropa stand diesen Sommer in Flammen: Großbrände wüteten in Griechenland, Italien, auf den Kanarischen Inseln. Immer öfter stecken Kriminelle hinter den Feuern, die Bauland erobern oder Wälder billig abholzen wollen. Sie haben viel zu leichtes Spiel, warnen Umweltschützer.
Santa Cruz La Palma - Juan Jesús González ringt kurz nach Worten, um seine Sorge zu beschreiben: "Wenn jemand die Kanarischen Inseln wirklich bedrohen will, legt er am besten an den richtigen Stellen Feuer, das ist leichter, als Bomben zu zünden. Aber genauso effektiv", sagt er dann. "Brandstiftung kann leicht eine Form des Terrorismus werden." Die Kanarischen Inseln seien inzwischen leicht entflammbares Terrain.
Der Lehrer, der seit Jahren Umweltsünden an seinem Wohnort Teneriffa auf einer Internetseite dokumentiert, hat zu einer Rundfahrt auf die kleine Kanaren-Insel La Palma eingeladen, wo er eigentlich Urlaub macht. Doch jetzt will er zeigen, dass es kein Zufall war, dass sich diesen Sommer auf Teneriffa und Gran Canaria Großbrände in Windeseile ausbreiten konnten. Immerhin sind die Warnzeichen nicht mehr zu übersehen: Nach Rekordtemperaturen schien halb Europa während der Hitzewelle in Flammen (mehr...)aufzugehen. In Griechenland tobten gewaltige Brände, auch in Mazedonien und Italien brannte es gewaltig. Auch La Palma könnte jederzeit heimgesucht werden, sagt González.
Auf der Insel lässt sich erschreckend plastisch an vielen Ecken beobachten, was die Umweltschützer von WWF in einer kürzlich veröffentlichten Studie als Zusammenbruch des "traditionellen ländlichen sozioökonomischen Systems" bezeichneten - und als eine Hauptursache dafür ausmachten, dass sich Feuersbrünste inzwischen so ungehindert ausbreiten können in Mitteleuropa.
"Hier waren überall einmal kleine Felder", erklärt González und zeigt Abhänge, die über hunderte Quadratmeter mit einem stacheligen, hohen Dorngestrüpp überwuchert sind. Dann reißt er plötzlich das Lenkrad nach rechts und hält vor einem kleinen Bauernhaus, vor dem ein Wagen mit meterhoch gestapelten Ästen auf der Ladefläche steht. "Das gibt es nicht mehr oft, dass die Leute das einsammeln. Dabei ist das die beste Stallunterlage."
Wie leicht entflammbar ihre Umgebung ist, ist auch der Bevölkerung bewusst. "Heute wird höchstens noch ein Viertel von früher bewirtschaftet", sagt ein Bauer und zeigt ein zurückhaltendes, zahnloses Lächeln, als wollte er sich entschuldigen. Eine Frau, die gerade Ziegen in einem kleinen Stall füttert, sagt, in den vergangenen Wochen sei sie sicher gewesen, dass es bald brennen würde. Da stiegen die Temperaturen auf über 40 Grad. Und das Feuerholz in den riesigen Waldflächen sammle ja schon lange niemand mehr zum Verkauf wie früher. "Da reicht doch eine klitzekleine Scherbe, durch die die Sonne scheint, und schon brennt es lichterloh."
So geht es während der gesamten Rundfahrt. González zeigt Wiesenflächen mit riesigen, gelben, ausgetrockneten Flecken auf La Palma. "Als ich Kind war, gab es das gar nicht. Da wurden diese Gräser massenweise als Ziegenfutter geschnitten." Ein Streichholz reiche, und das alles stünde sofort in Flammen.
Feuer werden gelegt, um Bauland zu gewinnen
Dass er keine Panikmache betreibt, zeigen die nackten Zahlen. Der WWF-Studie zufolge hat die Zahl der Großbrände sich im Mittelmeerraum seit 1960 vervierfacht - in Spanien ist sie sogar um das zehnfache angestiegen. Von pro Jahr durchschnittlich 1920 Bränden auf jährlich rund 21.516 Feuer. Im Mittelmeerraum könne man jedes Jahr "schon die Uhr danach stellen, wann es wieder brennen wird", erklärte WWF-Waldexpertin Nina Griesshammer bei der Präsentation der Studie. Das Alarmierende: Die Feuer werden immer größer.
Nur ein Bruchteil der Brände entsteht der Untersuchung zufolge durch Blitze oder andere natürliche Ursachen. Der Großteil: Absichtliche oder fahrlässige Brandstiftung. Feuer werde etwa gelegt, damit die verkohlten Gebiete danach in Bauland umgewandelt werden, so die Umweltschützer.
Die Mafia wird für die Feuersbrünste von den Abruzzen bis Apulien verdächtigt
Umweltschützer wie González vermuten sogar Unternehmen hinter den Bränden, die mit der Wiederaufforstung oder gar der Brandbekämpfung Geld verdienen. "Davon lebt schließlich eine ganze Industrie."
In Italien erklärten so auch die zuständigen Behörden unumwunden, dass hinter den Bränden Kriminelle steckten, vielleicht sogar die Mafia. Die wird schon seit Jahren verdächtigt, so die Umwandlung etwa von Olivenhainen in Bauland zu erzwingen. Von den Abruzzen bis Apulien, von Latium bis nach Kalabrien waren der Zeitung "La Repubblica" zufolge nun in nur einer Woche 750 Feuer entstanden.
Allerdings können Brandstifter nur deshalb so effektiv vorgehen, weil die Flammen sich so ungehindert ausbreiten können. Folgen unter anderem der Landflucht - und der falschen Bewirtschaftung. Die Politik der EU fördere den Anbau von Monokulturen zu sehr, monieren die Wissenschaftler vom WWF. In vielen Gegenden Spaniens und Portugals seien weite Flächen mit Eukalyptus- und Kiefernbäumen zugepflanzt worden, die mit ihren ätherischen Ölen besonders gut brennen. Auf La Palma werden hauptsächlich Bananenstauden gepflanzt, die die ganze Insel in riesigen Feldern überziehen. "Nur noch ein paar Verrückte kümmern sich um andere Sachen", sagt González.
"Es fehlt ein umfassendes Konzept zur Feuerbekämpfung", findet der Geograf. Die einzelnen Maßnahmen, die die Regierung der Kanaren und der Inselrat von Teneriffa nun vorschlagen, reichen seiner Meinung nach längst nicht. Bis der Brandschutz wie vom WWF gefordert als eine politische Leitlinie gilt, müsse noch einiges getan werden. Auch in den Wäldern müssten viel mehr strategische Feuerschneisen angelegt werden, über die ein Brand nicht hinauskommt, sagt González. "Aber das sieht eben nicht besonders schön aus." Und die Frage der Ästhetik bestimme wegen der vielen Touristen auf den Kanaren oft die Politik. Angefangen bei den Palmen. "Eine Palme zu fällen ist verboten", sagt González. Doch wenn die gelben Blätter nicht regelmäßig in einer teuren Prozedur entfernt werden, brennt der Baum beim kleinsten Funken wie eine Fackel.
"Dann können weder Feuerwehr noch Hubschrauber etwas ausrichten"
Auch die Bevölkerung werde viel zu wenig in die Vorsorge einbezogen, glaubt González. Dem kleinen Dörfchen Masca etwa hätte einiger Schaden erspart werden können. Der 100-Einwohnerort war mit seinen engen Gässchen und den hübschen Steinhäusern ein ursprüngliches Überbleibsel im verbauten Teneriffa - und wurde schwer getroffen von den Bränden (mehr...). "Da gab es überhaupt kein System zur Selbsthilfe", sagt González. "Die haben dort nur ihre Gartenschläuche." So passierte kaum etwas, bis die Feuerwehr sich von der nächst gelegenen Station über die unendlich langen Serpentinen durchgekämpft hatte. Auch der WWF fordert, die Vorsorgemaßnahmen in Europa zwischen den zuständigen Stellen besser zu koordinieren. Vielfach existierte nicht einmal verlässliches Datenmaterial.
Diesmal seien Teneriffa und Gran Canaria noch einmal glimpflich davon gekommen, sagt González. Der Schaden ist mit einigen tausend Hektar verbranntem Wald längst nicht so schlimm wie angenommen. "Aber das der Brand sich legte war allein dem Wetterumschwung zu verdanken", ist González überzeugt. "Wenn ein Feuer einmal so groß ist, können weder Hubschrauber noch die Feuerwehr etwas ausrichten."
05. August 2007
Spiegel Online
 
Nach dem Feuer
Auf Teneriffa sind die verheerenden Waldbrände gelöscht, doch mancher hat nur noch rauchende Ruinen gefunden, wo vorher sein Haus stand. Dazu eine TA-Korrespondenz:
TENERIFFA. "Wir leben noch", sagt Christine Pallat mit Tränen in den Augen. "Wir sind immer noch da." Auch wenn sie nun Stein für Stein von vorne anfangen müssten. Sie reibt sich Asche aus dem müden Gesicht, die vom Wind herbeigewirbelt wird.
"Wir" - das sind die Deutsche Christine, der Spanier Riquelme und ein zweijährige Sohn. Sie sind um Haaresbreite der Feuerhölle auf der Ferieninsel Teneriffa entkommen. Von ihrem urigen Wohnhaus, aus Naturstein und Holz, blieb nur eine schwarze verkohlte Ruine. Umgeben von einer bizarren Landschaft aus verbrannten Pinien, Palmen und Kakteen. Einige Stümpfe qualmen noch.
Auch wenn es bei Christine Pallat derzeit aussieht wie nach einem Krieg: Teneriffa hat den schlimmsten Waldbrand seiner Geschichte besser überlebt, als man zunächst dachte. Die Insel ist nicht abgebrannt, auch wenn es auf dramatischen Bildern so wirkte. Auf denen ganze Bergketten von dem Monsterfeuer vertilgt wurden.
Es habe "kein Risiko" für die Touristen gegeben, beruhigt ein Sprecher der kanarischen Regierung. 170 000 Menschen kommen in diesen Sommertagen pro Woche. Vor allem Briten und Deutsche.
Damit es nach der spektakulären Feuersbrunst nicht weniger werden, soll eine internationale Werbekampagne den angekohlten Ruf Teneriffas wieder aufpolieren. "Wir wollen nicht die Folgen des Feuers verschweigen", sagen die Tourismusbehörden. "Aber wir wollen auch klar sagen, dass das Feuer weder den Flughafen noch die touristischen Zonen betroffen hat."
Das Großfeuer, das durch den traumhaften Pinienwald im Norden und Westen des spanischen Urlaubsparadieses Teneriffa raste, blieb im Hinterland. Und konnte durch hunderte Brandbekämpfer daran gehindert werden, ein gutes Dutzend Orte in den Vulkanhügeln zu verschlingen.
Nur ausgerechnet in Masca, dem wohl berühmtesten und jahrhundertealten Teneriffa-Dorf, das jedes Jahr von 800 000 Ausflüglern bestaunt wird, waren die Helfer machtlos. Die Flammenwalze überrollte die wild-romantische Bergoase. Ließ die uralten Palmen, welche das verwunschene Nest umgeben, wie Fackeln glühen. Machte auch vor dem Wohnhaus von Christine und Riquelme nicht halt.
"Das war wie die Hölle", denkt Christine mit Grauen an den Tag des Feuersturms zurück. "Wir sahen plötzlich dunkle Rauchwolken über den Bergen. Das sah aus wie ein Atombombenpilz." Heftige Böen trieben die Flammenwand bald über den Bergkamm. Wenig später musste sie mit Mann und Kind ins Auto springen und fliehen. "Das Feuer stand plötzlich vor der Tür."
Als die Feuerattacke zwei Tage später vorbei war, fand die Familie von ihrem Landhaus nur noch rauchende Trümmer. "Ein Horror." Immerhin blieb ihr kleines Gasthaus, "Casa Riquelme", verschont. "Launisch" sei das Feuerungeheuer gewesen. Fraß im Masca-Tal ein halbes Dutzend uralte Häuser, übersprang aber viele andere Behausungen. Tötete Ziegen und Hühner, die in der Hitze elendig zugrunde gingen.
Auch die kleine Kapelle, die der Schutzheiligen Inmaculada gewidmet ist, blieb heil. Mit Blumengestecken auf dem Altar bedanken sich die rund 150 Dorfbewohner von Masca. Eine ältere Frau kniet nieder, bekreuzigt sich. "Inmaculada hat uns gerettet", murmelt sie.
Nicht nur göttliche Hilfe hat größeres Unglück verhütet: Überall in den Dörfern werden Helden gefeiert wie Juan Jose Perez. Der Mann ist Chef der Freiwilligen Feuerwehr in dem 1000-Seelen-Ort Santiago del Teide, fünf Kilometer östlich von Masca entfernt. Nach 48-stündigem Kampf gegen das Inferno konnten Perez und seine 40 Kollegen die Schläuche endlich einrollen. Sogar eine Tankstelle haben die Feuerwehrleute vor der Explosion bewahrt. Seitdem klopfen die Menschen Perez auf die Schultern, wenn sie ihn treffen.
Von Ralph SCHULZE
08.08.2007
Thüringer Allgemeine
 
 
 
 

und hier noch einige Photos ...

Auf dem Satellitenbild kann man die Rauchwolken wunderbar sehen
hier hat alles begonnen - der Brand in Los Realejos
Icod de los Vinos
nächtliches Inferno in den Hügeln ober Icod
Ramón de la Rocha/EFE

Vista general de una vivienda sita en la zona de Redondo, en el municipio tinerfeño de Icod de Los Vinos, afectada por el incendio originado el pasado lunes en Tenerife.

Delia Padrón
Vecinos de La Vega contemplan desde las azoteas de sus casas como el fuego se acerca.
 
 

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