1 de agosto de 2007 - Mittwoch - miércoles

31 de julio de 2007 - Dienstag - martes
 
die Sonne ist wieder da :-)  
29 ° centígrados  
30 ° centígrados  
Icod de los Vinos Calima
  Nach ein paar Stunden Schlaf erschnuppert meine Nase Brandgeruch. Der Holzwurm knabbert sich durch einen der Fensterbalken, eigentlich alles normal. Der Vollmond steht hoch und gelb am Himmel - und es ist noch leicht orangerot am Himmel. Es brennt also noch immer.
  Es ist dreiviertel sieben Uhr.
 
  Eine Stunde später ist der Mond und auch die "Morgenröte" verschwunden. Der Himmel ist mit Rauch bedeckt und immer wieder quellen schwarze Wolken in den Himmel. Es riecht extrem nach verbranntem Holz obwohl der Wind den Rauch eigentlich von uns weg treibt.
 
  Die Hubschrauber fliegen fast im Minutentakt, dazwischen sieht man öfter ein Flugzeug im Löscheinsatz.
   
  Unsere Finca wurde zur direkten Einflugschneise. Der Qualm wandert immer weiter über die Hügel. Gott sei Dank nicht in unsere Richtung, sondern von uns weg. Schätzungsweise steigt er in 600 Luftmetern Entfernung aus den Bäumen auf.
  Jetzt ist es Mittag und Patrick und Sabrina werden bald auftauchen. Wir haben sie angerufen, da wir gesehen haben, dass beim Sender aller voller Rauchschwaden ist und ihr Haus steht gleich unter dem Sender. Wir bieten im Moment zwar viel Fluglärm aber immerhin ist die Luft bei uns wieder so halbwegs frisch und sauber.
  Das Kirchlein oder die Kapelle in La Montañeta gibt es nicht mehr. Verbrannt. Ich wollte diese kleine Kirche immer fotografieren, aber wir haben uns nie die Zeit genommen, einmal anzuhalten. Jetzt ist es zu spät - vorbei!
  Feuer kann die Gehirnwindungen in Schwingungen versetzen. Es ist eigenartig, was dieses Feuer bewirkt. Man kann es im Grunde gar nicht realisieren, was in diesen Stunden passiert. Es ist nahe, aber doch so weit weg.
  Plötzlich sind einhundert Meter mehr oder weniger alles wert. Überleben, Leben oder wenigstens etwas aus seinem alten Leben in die neue Realität retten zu können. Viele Menschen hatten dazu keine Gelegenheit.
  Marcos haben wir heute nicht erreichen können, die Telefonleitungen sind verschmort und mit dem Handy oder wie man es international nennt - mit dem Mobilen Telefon - ist es nie möglich gewesen, ihn zu erreichen, da sein Haus in einem Funkloch steht.
     
  Den ganzen Tag über sind die Hubschrauber und Kleinflugzeuge über unsere Köpfe geflogen. Ein, zwei Minuten später sind ganz still und leise kleine Wassertropfen auf uns gerieselt.
  Am Abend hat Gerald angerufen. In La Guancha ist der Brand wieder aufgelodert.  Vorbei ist die Gefahr noch immer nicht - sie ist nur ein wenig weiter in die Ferne gerückt.

30 de julio de 2007 - Montag - lunes
 
die Sonne ist wieder da :-)  
29 ° centígrados Vollmond
35 ° centígrados  
Icod de los Vinos Calima
  Am Freitag, dem 27. Juli hat das Cabildo von Teneriffa aufgrund der heißen Temperaturen offene Feuer auf den Grillplätzen in den Bergen vorerst bis einschließlich heute verboten. Gestern wurde aus gelb sogar orange. Voraussichtlich bis morgen gilt also Alarmstufe orange, alerta naranja.
  Am Samstag wurden auf dem ewig kalten Nordflughafen von Teneriffa, Los Rodeos 39,5 Grad gemessen, in Villaflor sogar hei0e 45 Grad. lach ein wenig :o) In den nächsten Tagen soll es auch weiterhin kuschelig warm bleiben, bis zu 40 Grad im Schatten!
  Der Tag hat heute mit einem perfekt blauen Himmel begonnen. Traumhaft. Angenehm warm - zumindest bis Mittag. Ab dann ist es unerträglich heiß geworden. 38 Grad sind keine angenehme Wärme mehr, zumindest nicht für mich.
  Wie ich gestern schon vorhergesehen habe, war heute der Gartenschlauch mein Begleiter. Obwohl wir bereits einen Großteil der Pflanzen automatisch bewässern, bleibt diese Arbeit erhalten.
   
  Irgendwann habe ich von meinem Blumentöpfe aufgeschaut und was sehen meine Augen? Wolken! Doch wo kommen diese Gebilde her? Außerdem haben sie eine eigenartige Färbung. Weiß, grau mit einem kleinen Stich ins Rosa.
  Abendrot um diese Zeit? So lange habe ich auch noch nicht gearbeitet. Die Zeit vergeht zwar schnell, aber nicht in diesem Tempo.
  Irgendwo schleicht sich der Gedanke ein, dass es brennen könnte. Gar so gefährlich haben die Rauchwolken allerdings nicht gewirkt. Und ein kleiner Brand bei dieser Hitze wäre auch nicht sonderlich absurd.
  Um halb elf hat uns der Postbote erzählt, dass es in den Hügeln oberhalb von San Juan de la Rambla brennt. Das ist einige Kilometer von uns entfernt. Auf den Rauch haben wir deshalb auch gar nicht mehr geachtet. Einmal war mehr von diesem weißen Schleier am Himmel, einmal weniger.
  Im Radio haben wir gehört, dass es bei El Tanque brennen soll. Aber der Rauch ist aus der entgegen gesetzten Richtung gekommen. Das konnte es allerdings auch nicht sein. Na, wenn sie nicht einmal in den Nachrichten eine Meldung bringen, wird es schon nicht so schlimm sein - denkt man sich so.
  Um drei Uhr sind wir nach Puerto de la Cruz aufgebrochen. Unser Drucker hat seinen Dienst quittiert und streikt. Reparieren geht nicht oder zahlt sich nicht mehr aus - und das bei einem Gerät, dass grade erst einmal zwei Jahre für uns gearbeitet hat. lach ein wenig :o) Aber so sind die Zeiten eben - die Geräte sind bereits rasant gealtert, sobald man sie bei der Türe des Geschäftes hinaus trägt.
   
  Um diese Zeit hat der Rauch schon um einiges bedrohlicher gewirkt. Aber was soll's? Machen kann man so wieso nix und was ganz genau im Gange ist, weiß man auch nicht. Also nichts wie weg, auf der Finca hat es um diese Zeit 38 Grad. Da ist sogar der warme Fahrtwind leicht kühlend.
  In Puerto de la Cruz hat um diese Zeit niemand mehr bemerkt, dass es brennt. Man konnte zwar in der Ferne noch Rauchwolken sehen, ich bin mir aber sicher, dass die für ganz normale Wolken gehalten worden sind.
  Wir haben uns auch nicht mehr viele Gedanken gemacht.
  Auf Gran Canaria hat angeblich ein entlassener Waldarbeiter  Feuer gelegt. Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz seit Tagen im Dauereinsatz,  Häuser und Campingplätze wurden geräumt. Der bisher größte Waldbrand in der Geschichte Gran Canarias hat bereits eine 3500 Hektar große Fläche mit Pinien und Eukalyptusbäumen auf Insel vernichtet. Und der Brand ist noch immer nicht gelöscht.
  Auf La Gomera war es nicht gar so schlimm und der Brand ist, wie auf La Palma, bereits unter Kontrolle.
  Es hat also auf La Gomera gebrannt, auf La Palma und es brennt auf Gran Canaria - aber bei uns?
   
  Ein typischer Fall von - du sollst dich nicht täuschen! Ja näher wir Icod auf der Heimfahrt gekommen sind, desto mehr Rauch war in der Luft. Die Landschaft Richtung Teide versteckt hinter einem Vorhang aus Rauch und Wolken.
   
  Hier sieht man einen der vier Helikopter bei Löscharbeiten oberhalb von Los Realejos. Ein Tropfen auf dem heißen Stein.
  Als es dann dunkler geworden ist, war es fast wie sonst bei Sonnenuntergang. Die Himmelsrichtung hat allerdings nicht ganz gestimmt. Doch der ganze Horizont war rot!
  Georg hat mit Marcos telefoniert, er wohnt in einem Ortsteil von Icod, der direkt betroffen ist. Die Finca seines Vaters ist bereits ein Raub der Flammen geworden. Das Haus wurde aber gerettet, die Feuerwehr ist vor Ort und Marcos meint, dass es für ihn schon gut ausgehen werde. Hoffentlich.
   
  Daran hat sich auch bis jetzt nichts geändert. Es ist mittlerweile ein Uhr morgens, der Vollmond scheint vom nachtblauen Himmel und taucht ab und zu in Russwolken ein. Wenn man Richtung Teide schaut ist die Landschaft heute nicht in Mondlicht getaucht sondern von Feuer blutrot erhellt. Immer wieder schlagen hohe Flammen in den Himmel, angefacht vom warmen Wind aus Afrika.
  Es wirkt so, als ob die ganze Insel brennen würde. Ich kann die Flammen direkt hören und der Geruch des Feuers kommt bis in die niederen Lagen. Man kann es riechen und man hört die Hubschrauber fliegen und immer wieder die Sirenen der Feuerwehrwägen.
  Eine unheimliche Stimmung - man bekommt Angst, weil man weiß, dass man überhaupt nichts tun kann.
  Ein Ende der Löscharbeiten ist auch jetzt, mitten in der Nacht nicht abzusehen. Mit komm vor, der Brand ist wieder von neuem so richtig angefacht worden.
  Laut einer Meldung 19.30 Uhr sind bereits über 2.600 Hektar Wald verbrannt.
  "Originado en Los Realejos esta mañana, el fuego ya devasta monte de San Juan de la Rambla, La Guancha, Icod, El Tanque, Garachico y Guía de Isora... " so lautete die Meldung der Inselregierung.
  Am Abend sind mehrere Dörfer evakuiert und rund 2,000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Das betrifft die Gemeinden Icod de los Vinos, La Guancha, Garachico und Los Realejos. Das Feuer wütet an vier verschiedenen Fronten gleichzeitig und hat bereits eine Brandschneise überwunden.
  Wegen der großen Hitze und des starken Windes sei der Brand nur schwer einzudämmen, sagte Inselratspräsident Ricardo Melchior. Vermutlich ist Brandstiftung die Ursache des Feuers, das heute Früh in der Gegend um Los Realejos ausgebrochen ist.
  Zwei weitere Waldbrände sind aus dem Süden Teneriffas gemeldet worden.

29 de julio de 2007 - Sonntag - domingo
 
die Sonne ist wieder da :-)  
23 ° centígrados  
39 ° centígrados  
Icod de los Vinos Calima
  Der Hochsommer ist da. Der Calima trägt mit seiner heißen Luft aus Afrika das seine bei. Je höher desto wärmer lautet de Faustregel.
  Auf einer Seite richtig angenehm, auf der anderen Seite haben wir allerdings den Nachteil, dass sich das Dach so richtig schön auf Grilltemperatur aufheizt und die Hitze gleichmäßig und beständig an unsere Behausung abgibt.
  Am Nachmittag waren wir bei Kirsten und Olaf zum Grillen eingeladen. Sie wohnen im Urlaub in einer Ferienwohnung oberhalb von Santo Domingo.
   
  Nach einem wunderschönen Nachmittag sind wir noch ein wenig im Freien gesessen. Der Vollmond taucht die ganze Umgebung in helles Licht und die warme Luft kommt direkt in so kleinen Luftwolken daher. Im Freien richtig schön.
  Wie es allerdings beim Schlafen sein wird kann ich noch nicht vorhersehen. Um Mitternacht zeigt das Thermometer noch immer 30 Grad im Mondlicht an.
  Nur eines weiß ich heute schon mit Sicherheit - Wasser marsch steht morgen ganz oben auf der Liste!

28 de julio de 2007 - Samstag - sábado
 
die Sonne ist wieder da :-)  
23 ° centígrados  
35 ° centígrados  
Icod de los Vinos Calima
  Man muss sich nur anständig aufregen - dann stimmt das Wetter auch wieder! Strahlender Sonnenschein und ein wolkenloser Himmel ist die Belohnung für Kritik. lach ein wenig :o) Das sollte man sich vielleicht auch für andere Lebenslagen merken.
  Wir haben Calima, dass heißt, es könnte ziemlich warm werden. Je höher man fährt, desto höher klettert das Quecksilber in der Säule.
  Um elf Uhr sind wir heute nach San José de los Llanos, einem Ortsteil, un barrio, von El Tanque, aufgebrochen. Am „Día de la Trilla“ wird das Getreide auf traditionelle Art gedroschen.
 
  Dieses Gebiet war vor allem im 17. und 18. Jahrhundert für den Getreideanbau bekannt. 1996 kamen die Verantwortlichen der Ortschaft El Tanque auf die Idee, wieder an die alte Form der Weizendresche zu erinnern. Immerhin handelt es sich um eine der landwirtschaftlichen Wurzeln der Insel.
 
  Alte Traditionen sollen wirklich nicht Vergessenheit geraten. Das Schöne auf dieser Insel ist, dass diese Traditionen nicht für Touristen sondern für die Bevölkerung selbst erhalten und gepflegt werden. Diese Einstellung findet man selten. Vor allem nicht in Ländern, in denen die Bevölkerung zu einem Großteil vom Geschäft mit dem Urlaub lebt.
  Wir haben heute aber weder ein englisches noch ein deutsches Wort gehört - die ortsansässige Bevölkerung war vertreten.
  Gerade deshalb war es wunderschön und ursprünglich.
   
  Wer fragt da nach einem Programmpunkt, nach einem termingerechtem Ablauf? Wofür? Feste oder fiestas ergeben sich von selbst. Menschen treffen sich aus irgendeinem Grund und feiern. Heute auf eine andere Art und Weise, wie es vor dreißig Jahren geschehen ist. Aber was ändert das schon? Die Lebensqualität bleibt erhalten.
  Dieses Fest findet als Erinnerung an vergangene Zeiten statt. An Zeiten, als das Dreschen des Getreides noch als ein fröhliches Fest am Ende der Getreideernte von Weizen und Gerste gefeiert wurde. Als Belohnung für die  Entbehrungen und die harte Arbeit auf den Feldern.
  Damals gab es nicht viele Anlässe um zu feiern. Aber wenn gefeiert wurde, dann ausgelassen und überschwänglich - mit Essen, Trinken und Musik. Die Feldarbeit wurde für dieses Jahr endgültig verabschiedet.
   
  Bei dieser Art des Dreschens werden die geernteten Getreideähren auf einem gepflasterten Steinkreis verteilt. Dann werden entweder Pferde oder Ochsen mit einem möglichst schweren Brett darüber gezogen. Immer im Kreis, immer rund um. So werden die Getreidekörner aus den Ähren "getrampelt". Es wird die Spreu vom Weizen getrennt.
   
  Früher ist vielleicht irgendwann der Großvater auf so einem Brett platziert worden. Heute ist es das größte Glück der Kinder einen Platz auf diesem Schlitten zu ergattern. Es geht ja nicht mehr um den Ernst des Lebens sondern um die Bewahrung einer Tradition.
   
  Einen Großvater, der scharf darauf gewesen wäre, auf einem dieser Bretter platziert zu werden habe ich heute also nicht entdecken können. lach ein wenig :o) Die Kinder sind allerdings Schlange gestanden. Wie bei uns daheim vor einem Karussell. Aber da muss es natürlich high tech sein. Je mehr Nervenkitzel geboten wird, desto besser.
  Hier reicht noch ein Holzbrett, das von zwei Kühen gezogen wird. Nachdem aber nur zwei dieser "Schlitten" zur Verfügung standen, war die Enttäuschung bei einigen der kleinen Zuschauer immer wieder groß. Im Endeffekt ist aber sicherlich jeder auf eine Kosten gekommen. lach ein wenig :o) Mit ein bisschen Geduld funktioniert eben alles.
  Man kann es also fast mit der Warteschlange vor einem Karussell betrachten. Aber eben nur fast. Denn hier handelt es sich offiziell um ein Ochsengespann, dass die Bretter über das Getreide zieht.
  Apropos Ochsen  - ich habe mich vorher nicht vertippt oder so. lach ein wenig :o) Mir ist allerdings ein Ochse mit Euter gänzlich unbekannt. Soviel ich weiß, ist ein Ochse ein Eunuch im Tierbereich. Ein entmannter Stier! Ein männliches Rind ohne Manneskraft. Ich kenne keinen Ochsen, der ein volles Euter hat, also gerade eben erst einmal Mutter geworden ist. Dafür sind eigentlich Kühe zuständig, oder?
  Da sieht man wieder einmal, was die Emanzipation angerichtet hat. lach ein wenig :o) Sogar die Kühe müssen heute die Doppelbelastung aushalten die uns unsere emanzipierten Vorreiterinnen eingebrockt haben. Die Weiblichkeit alleine ist nicht mehr gefragt.
  Nicht einmal mehr im Reich der Tiere. Aber das hat ja schon George Orwell in seinem Buch über die Farm der Tiere festgestellt.
  Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher! Darüber sollten wir Menschen vielleicht auch einmal nachdenken. Schweine gibt es überall.
   
  Heute war eines dieser Rasse der Gewinn für ein Los um einen Euro. Sein Besitzer hat es ganz einfach Stückchenweise verkauft. Gar nicht so schlecht wahrscheinlich - aber genau das macht ein Volksfest aus. Ich hoffe nur, dass diese Traditionen noch lange erhalten bleiben. Nicht, dass wir unseren Kindern irgendwann eine Geschichte erzählen müssen, die damit beginnt: "Es war einmal, érase una vez...  "
  Aber da wären wir schon wieder bei einem anderem Thema. Also wieder zurück zu den Ochsen oder besser gesagt zur Abteilung der Rinder. Wann gibt eine Kuh Milch? Ist das eine eigene Züchtung? Eine eigene Rasse?
  Ich bin mir ziemlich sicher, dass darauf fast niemand mehr eine Antwort geben kann. Die Milch produziert ja so wieso die Molkerei. Oder doch nicht?
  Aber bleiben wir der Einfachheit halber beim Dreschen von Getreide.
   
  Nachdem die Pferde oder Ochsen unermüdlich im Kreis über das Getreide traben oder stampfen und Männer mit Holzgabeln die Halme immer wieder wenden, muss das Stroh nur mehr in die Luft geworfen werden - den Rest der Arbeit erledigt der Wind.
  Aus diesem Grund sind diese Steinkreise bevorzugt an Stellen errichtet worden, die vom Wind begünstigt waren. Der Wind, das himmlische Kind, hat damit einen Teil der beschwerlichen Arbeit kostenlos übernehmen können.
  Früher war es harte Arbeit. Heute wird zwar gefeiert - aber ein Hauch aus der Vergangenheit weht trotzdem über das Land. In alten Zeiten war diese Zeremonie die erste Station der Erzeugung von Gofio.
  Die Getreidekörner wurden anschließend geröstet und vermahlen. Ein Grundnahrungsmittel, das bereits die Guanchen für das Überleben notwendig war, hat auch heute noch seine Bedeutung. Keine fiesta ohne Gofio! Das geröstete Mehl gehört auch in der heutigen Zeit zum Alltag der Inselbevölkerung.
   
  El Dia de la Trilla war ein Erlebnis.
  Danach sind wir in eine kleine Bar oberhalb von Los Llanos gefahren und haben anschließend noch einen kleinen Spaziergang gemacht. Dabei haben wir eine fast verzauberte Landschaft entdeckt.
  Die Insel ist wirklich mit Geheimnissen aller Art gesegnet. Man müsste sich nur öfter die Zeit dafür nehmen.
  Man geht einfach einem Weg nach und findet hinter jeder Wegbiegung eine neue Überraschung.
  Schade, dass man sich nicht öfter die Zeit dafür nehmen kann. Wie hat Gerald das heute einmal treffend formuliert? Andere Menschen arbeiten fünf Tage in der Woche und selbst nimmt man sich nicht einmal einen Tag in diesen sieben frei, um den Kopf auszulüften.
  Recht hat er! Man sollte es sich wirklich zu Regel machen. Ich bin mir sicher, dass man so auch viel mehr Energie in seinen Alltag bringen könnte. Man muss nur den Mut dazu haben, seinen Alltag zu unterbrechen. Immerhin arbeiten wir um zu leben - und nicht umgekehrt. Oder habe ich da jetzt irgendetwas verwechselt?
  Auf der Heimfahrt haben wir noch einen kurzen Zwischenstopp in El Amparo gemacht. Der Platz vor der Kirche ist bereits festlich geschmückt, denn morgen früh beginnt hier der Höhepunkt eines Festes. Heute Nacht wird in den Bergen gefeiert und in den Morgenstunden kommen die mit frischen Zweigen aufgeputzten Autos  im Konvoi in den Ort - la Romería del Poleo wird dieses Fest genannt.
  Und dann? Dann wird eine Messe abgehalten, die Heiligen kommen an die frische Luft - und danach wird gefeiert!
   
  Es lebe das Leben. Ehrlich und ohne Schnick Schnack. Weder für Touristen noch für die Medien. Die Menschen feiern für sich und sind stolz auf ihre Traditionen. Es ist nicht so, dass diese Feste im Geheimen und versteckt gefeiert werden würden, doch sie werden nirgendwo auf dem Silbertablett präsentiert oder gar sonderlich vermarktet.
  Als kleine Grenze wird - falls notwendig - der Trachtenzwang ausgeübt. Auch auf diese charmante Art kann man, mehr oder weniger, auch in Zeiten der Verallgemeinerung und der Effekthascherei, unter sich bleiben.
  Seine Feste feiern, ohne zum Bestandteil eines zoologischen Gartens zu werden. Ohne, dass irgendjemand, der sich für Traditionen und "Folklore" interessiert, sein Programmheft in die Hand nehmen kann und die Pünktlichkeit des Programmpunktes einfordern kann oder könnte.
  Es gibt keine Regeln im Leben - außer der, dass jeder Mensch ein Recht auf seine Art des Lebens hat. Gleiches Recht für alle! Im menschlichen Leben sollte es keine Darsteller und keine Zuschauer geben.
  Falls jemand doch diese Einstellung haben sollte, kann er ja gerne in eines der vielen Theater oder Kinos dieser Welt gehen. Die Karten bekommt man sogar im Vorverkauf. Obwohl - wenn man sich seine Karten zu früh sichert, kann es auch passieren, dass ein Konzert oder eine andere künstlerische Darbietung gar nicht statt findet. Aus welchem Grund auch immer. That's life.
  "Wenn Dein einziges Werkzeug ein Hammer ist, dann sieht jedes Problem wie ein Nagel aus." Eine Erkenntnis von Abraham Maslow - wer immer das auch gewesen sein mag.

27 de julio de 2007 - Freitag - viernes
 
Wolken, Wolken und leichter Sprühregen  
19 ° centígrados  
22 ° centígrados  
Icod de los Vinos  
  Auf den Azoren wechselt das Wetter so schnell, dass man vier Jahreszeiten in einem Tag erleben kann. Davon ist bei uns allerdings nicht die Rede. Die Wolken bleiben uns treu!
  Von Treue halte ich ja an und für sich sehr viel, aber in diesem Fall könnte ich wirklich darauf verzichten.
  Der Mörder war wieder der Gärtner, und der plant schon den nächsten Coup ...
  Wer hat da wen um die Ecke gebracht? War die Polizei, la policía, schon da? Wem gehören denn diese verräterischen Hände?
   
  Keine Angst, es ist kein Verbrechen, el delito, geschehen. Georg hat sich am Abend an die Arbeit gemacht und hat mit viel Geduld, la paciencia, Maulbeeren geerntet. Man kann es deutlich erkennen, oder? Da hilft nur viel Zitronensaft um diese Farbspuren wieder los zu werden.
  Ganze drei Kilo sind es geworden. lach ein wenig :o)  Ist ja auch kein Wunder, er hat ja mit Hilfe des Baggers geerntet.
  Nein, ich darf nicht ungerecht werden - die Baggerschaufel dient nur als Steighilfe. Anders ist es im Moment nicht möglich an die Früchte zu kommen. Wir leben eben auf einer riesigen Baustelle.
   
  So harmlos hängen die köstlichen Beeren auf dem alten Maulbeerbaum. Sie reifen sehr versetzt, deshalb kann man nicht alle auf einmal ernten sondern muss jeden zweiten Tag an die Arbeit gehen.
   
  Weiter geht es in unserem aktuellen Obstangebot. Richtig, das ist eine unserer Papayapflanzen, el papayo. Sie blühen und tragen Früchte gleichzeitig.
  Premierenvorstellung, el estreno! Gestern Abend haben wir die allererste, eigene Papaya, la papaya, unseres Lebens geerntet.
  Die spanische Übersetzung irritiert hier vielleicht ein wenig, aber so sieht der Unterschied aus - die Pflanze ist männlich und die Frucht weiblich! Was würden wohl unsere Männer sagen, wenn sie die Früchte tragen müssten?
   
  Auf den Punkt gereift, fruchtig und sehr lach ein wenig :o) "lecker".  Andrea, sie würden dir vorzüglich schmecken!
  Noch dazu handelt es sich um eine bevorzugte Sorte mit relativ geringem Innenleben, dafür sehr gutem Geschmack. Ab jetzt müssen wir diese Früchte nicht mehr kaufen, es wird eine nach der anderen auf der Finca gelb - und damit reif.
  In den Geschäften ist die Reife der Früchte immer wieder ein Glücksspiel, un juego de azar. Das ist zwar unverständlich, da hier wirklich viele Papayas wachsen und damit auch reif werden sollten, es ist aber so. lach ein wenig :o) Na ja, seit gestern tangiert und diese Tatsache nur mehr peripher. *g*

26 de julio de 2007 - Donnerstag - hueves
 
ab und zu traut sich die Sonne doch hervor :o)  
19 ° centígrados  
22 ° centígrados  
Icod de los Vinos  
  Ab und zu traut sich die Sonne ja wohl zwischen den Wolken durchzublinzeln. Im großen und ganzen ist jedoch ziemlich trübe. Die Luft ist allerdings angenehm warm, das Mittagessen, el almuerzo, können wir also im Freien genießen. lach ein wenig :o) Das passt heute wirklich gut, den Gerald kommt zum Essen und zu dritt ist es in unserer Luxusherberge ein bisschen eng.
  "Morgen hätte ich eigentlich einen Termin beim Zahnarzt, el dentista ..."
  "Gehst du zu einem deutschen oder zu einem kanarischen Zahnarzt?"
  "Nein, zu einem Chinesen." lach ein wenig :o) Abwarten, welche Note der bekommen wird! Wir werden es bald erfahren!
   
  Jorge ist nicht der neue Baggerfahrer. Er arbeitet wie immer auf seinem Spezialgebiet - den Steinen, las piedras.
  Er möchte allerdings lernen, mit dem Gerät umzugehen. Deshalb ist er nach Arbeitsschluss und einem schnellen Abendessen, la cena, noch einmal für zwei Stunden gekommen und hat geübt. Das wird er noch öfter machen müssen, lach ein wenig :o) denn auch Baggerfahrer purzeln nicht aus den Wolken!
  Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen, la práctica hace al maestro.
  Heute ist "Lavendelpflanztag" Silberblattlavendel um ganz genau zu sein. Diese Lavendelart stammt aus den Bergen Süd- und Südostspaniens. Er ist robust und anspruchslos und liebt es eher etwas trocken als zu feucht.
   
  Lavendel wird in Frankreich liebevoll blaues Gold, l'or bleu, genannt. Im Volksmund nennt man das duftende Kräutlein auch Schwindelkraut, Zitterblume oder Nervenkräutlein genannt.
  Ein alter Spruch lautet: "Was Rosmarin für den Geist, ist Lavendel für die Seele"
  Lavendel riecht aber nicht nur gut, er ist ein Heilkraut. Er lindert vor allem Magen- und Darmbeschwerden. Schon die römischen Legionäre kannten seine die Heilkraft und nutzten den Lavendel für diese Zwecke.
  Lavendel soll beruhigen und die Nervenkraft stärken. Er bringt seelische Klarheit und lenkt das Bewusstsein auf Lebensbereiche oder Beziehungen, die zu bereinigen sind. lach ein wenig :o) Was will man mehr?
 

 
Ein paar Anissamen
Einen Mörser und einen Stößel -
oder eine Holzschüssel und einen Löffel
Einen Teelöffel Rosmarin
Ein paar Baldrianteeblätter
Ein Stück indische Baumwolle
Ein blaues Band - fertig ist ein Zauberspruch!
 
  Die beste Wirkung erzielt man um Mitternacht bei Vollmond. Der volle Mond ist in ein paar Tagen wieder am Himmel. Der Rest der Zutaten ist eigentlich leicht zu besorgen. Also dann  - viel Glück! iMucha suerte!  lach ein wenig :o) Hex, hex, mit diesem Zauberspruch klappt fast alles - und vergessen kann man ihn auch nicht so leicht.
  Damit kann man angeblich seine Ex-Prinzen in Frösche verwandeln oder sein Glück beschwören. Einen Versuch ist es immerhin wert, oder? Falls es nicht funktionieren sollte geht die Welt auch nicht unter. lach ein wenig :o) No se acaba el mundo por eso.
  Beim Heilkräuter-Fachsymposium Mitte Juni 2007 im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau wurde Lavendel als die Heilpflanze des Jahres 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt.
  Ausschlaggebend für diese Wahl war vor allem seine Bedeutung als Nervenpflanze.

25 de julio de 2007 - Mittwoch - miércoles
 
Wolken, Wolken und leichter Sprühregen  
19 ° centígrados  
22 ° centígrados  
Icod de los Vinos Sprühregen
  Grauer Himmel und Nieselregen. Jorge, unser Steinmaurer hat sich deshalb entschieden, doch wieder nach Hause zu gehen. Eine vernünftige Entscheidung, denn auch wenn es nicht richtig regnet, ist man nach einer Stunde ganz einfach nass.
  Am Vormittag hat der Regen zwar aufgehört, nur ab und zu verirren sich noch ein paar Tropfen vom wolkenbedeckten Himmel zu uns auf die Erde.
  Gegen Mittag sind Kirsten und Olaf mit ihren beiden Kindern vorbei gekommen. Sie verbringen drei Wochen Urlaub auf Teneriffa. Eine Woche ist allerdings schon wieder vorbei. Die Zeit verfliegt also nicht nur für uns. Am Sonntag sind wir bei ihnen zum Grillen eingeladen. Ich freue mich schon!
   
  Rund um uns wachsen die Trauben an den Reben. Reif sind sie noch nicht, aber gar so lange wird es nicht mehr dauern. Die heurigen Weine sollen ja eine besonders gut werden. lach ein wenig :o) So wird es vorhergesagt.
  Der Name der Stadt sagt ja alles aus - Icod de los Vinos. Das bedeutet so viel wie "Schöne Stadt des Weins".
  Auf der Insel gibt es fünf Weinanbaugebiete, consejos reguladores de Denominación de Orígen.
  Cumbres de Abona, Valle de la Orotava, Valle de Guímar, Tacoronte Acentejo und Ycoden Daute Isora.
  Ycoden Daute Isora liegt im Nordwesten der Insel und besteht aus den Gemeinden San Juan de la Rambla, La Guancha, Icod de los Vinos, El Tanque, Garachico, Los Silos, Buenavista del Norte, Santiago del Teide und Guia de Isora.
  Die Böden auf der Insel bestehen ja hauptsächlich aus vulkanischer Erde und Asche. Betrieben wird der Weinanbau, la viticultura, in dieser Gegend von 50 Meter bis 1.400 Meter über dem Meeresspiegel.
  Von alten Aufzeichnungen weiß man, dass in Icod schon im Jahr 1503 die ersten Reben angepflanzt wurden. 1507 soll der erste Wein gekeltert worden sein.
  Gezogen werden die Weinreben, la vid, auch heute noch nach alter Tradition, por tradición, auf einem Holzgerüst, parral alto. Immer öfter findet man jedoch auch Reihenanlagen oder Gerüste, die ungefähr einen Meter hoch sind und die Form eines Ts haben, so genannte parral bajo.
  Da auf dieser kleinen Insel im Atlantik eine der wenigen Regionen weltweit die Reblaus nie Fuß fassen konnte, wachsen auch heute noch viele Weinreben wurzelecht. Dadurch ist auch die Sortenvielfalt einzigartig geblieben.
  Die Reben entwickeln aufgrund des Mikroklimas und der vulkanische Erde ganz spezifische Aromen und einen Geschmack, der den Weinen einen besonderen Charakter verleiht. Rund um Icod findet man hauptsächlich weiße Trauben - lach ein wenig :o) wir befinden uns in der Weißweingegend der Insel.
 

 
 
Leben allein genügt nicht,
sagte der Schmetterling,
Sonnenschein, Freiheit
und eine kleine Blume muss man auch haben.
Hans Christian Andersen (1805 - 1875)
 
 

24 de julio de 2007 - Dienstag - martes
 
 
21 ° centígrados  
25 ° centígrados  
Icod de los Vinos leichter Regen in der Nacht
  Kein Wecker! Herrlich.
  Ein Blumentopf, zwei Blumentöpfe, drei Blumentöpfe ...
  Ich habe den ganzen Tag Pflanzen umgetopft und Georg hat die Wasserinstallation im Garten fertig gemacht.
  Gegen Abend sind die Nebel vom Meer heraufgezogen und es hat leicht zu nieseln begonnen. Leider nicht genug. Am Abend also noch einmal zwei Terrassen höher klettern und Gemüsegarten gießen.
  Jetzt bin ich müde und verstaubt. Der feine Erdstaub ist überall, also ist eine Totalsanierung meiner Wenigkeit an der Reihe. Ab unter die Dusche, la ducha, und Wasser marsch!
  Frisch geduscht, Haare gewaschen und eingecremt - ich fühle mich wie ein neuer Mensch!
 

Man kann nicht lernen,
wie eine Elfe zu zaubern,
zu denken oder zu sein.
Man kann aber davon träumen!
Der Zauber besteht nur in unserer Fantasie -
doch da sollte er seinen festen Platz haben.
  Es wird schon dunkel, Georg wird also auch bald auftauchen. Viel sehen kann er ja nicht mehr. Dann trinken wir noch ein gemütliches Gläschen und begeben uns dann auf die Reise, el viaje - ins Land der Träume!

23 de julio de 2007 - Montag - lunes
 
 
21 ° centígrados  
25 ° centígrados  
Icod de los Vinos  
   
  Eine neue Woche hat begonnen. Der Alltag hat sich dadurch nicht verändert. Die Arbeit bleibt immer die selbe. Sie verändert sich nur im Detail. lach ein wenig :o) Löcher für Pflanzen werden eben an anderen Stellen gegraben.
  Strelizien brauchen vier Jahre, bis sie das erste mal blühen. Hat das jemand von euch gewusst? Vielleicht war das der Grund, warum wir so lange  bis zu endgültigen Baugenehmigung warten mussten? Mittlerweile sind unsere, von klein auf gezogenen Pflanzen so alt. Jetzt sind wir in der großzügigen Lage, unsere Schützlinge auswildern zu können.
  Strelizien stammen aus dem südlichen Afrika. Wie so viele Pflanzen, die hier auf den kanarischen Inseln heimisch sind, stammt sie aus Südafrika. Ihren Namen erhielten sie zu Ehren von Prinzessin Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, der Ehefrau des englischen König Georg III.
  Im 18. Jahrhundert  wurde die Pflanze von Afrika nach England gebracht. Im Jahr 1818 kam sie von England nach Deutschland. Die erste Blüte hat sie allerdings auch dort erst vier Jahre später gezeigt.
  Über die Strelizie erzähle ich euch noch mehr - aber nicht heute!
  Wir verbringen unseren Abend heute menschlich - ohne PC und ohne Telefon. Mit einem Freund im netten Gespräch, ganz altmodisch von Angesicht zu Angesicht.
  Deshalb kann ich euch nur mehr eine gute Nacht wünschen. Träumt schön!
  Abends, a la tarde, wenn ich schlafen geh', dreizehn Englein um mich stehn ...", das vierzehnte macht gerade Urlaub.
  Müssen die Schutzengel Überstunden machen? Ich glaube nicht - aber falls doch - schaden kann es auf keinen Fall!.  Ich würde es mir von meinem Schutzengel wünschen - denn gar so vernünftig stolpere ich nicht durch mein Leben. Einen Schutzengel kann ich in jeder Lebenslage gebrauchen.
  Wir sind auch schon reif für die Insel - oder besser gesagt - urlaubsreif. Ob wir es schaffen werden, einmal ein paar Tage aus unserem Trott auszureisen? Ich weiß es nicht. No sé de nada.

22 de julio de 2007 - Sonntag - domingo
 
 
21 ° centígrados  
25 ° centígrados  
Icod de los Vinos  
  Ein Sonntag wie er im Bilderbuch steht. lach ein wenig :o)
  Wir haben gemütlich auf unserer Terrasse gefrühstückt, den Kaffee haben wir allerdings an unserer Stehtheke im "Haus" getrunken. Der Wind ist irgendwie, irgendwann doch zu ungemütlich geworden.
  Nach einem wirklich entspannendem Nachmittag haben wir noch einen ganz besonderen Sonnenuntergang beobachten können. Die Sonne ist rot im Meer versunken, die wahrhaft schönen Farbspiele hat uns heute Abend aber der Teide serviert.
   
  Bei dieser Ansicht ist wohl keine Erklärung mehr notwendig, oder? Dazu ein Film von Rosamunde Pilcher und der romantische Kitsch erreicht seine Perfektion!
  Sommerfrische - kennt noch irgendjemand die Bedeutung dieses Wortes? Die Brüder Grimm haben den Begriff als Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit definiert.
  Wir sagen heute ganz einfach Urlaub, las vacaciones, dazu.
  Urlaub ist - laut offizieller Definition - die Zeit, die ein arbeitsfähiger Arbeitnehmer, Beamter oder auch Selbstständiger von seinem Arbeitsplatz berechtigt fernbleibt. Klingt ziemlich steril.
  Urlaub sollte aber eigentlich mehr sein, oder? Urlaub bedeutet für mich einmal aussteigen aus dem Alltag, Kraft tanken.
  Vielleicht wäre es besser, das Wort Ferien zu verwenden? Das Wort "Ferien" stammt aus dem Lateinischen von feriae ab  und bedeutet so viel wie Festtage oder Feste. Mit dieser klaren Definition befinden wir uns wieder in Spanien, bei den fiestas! Wobei man gerechterweise schon festhalten muss, dass das Feiern in den Sommermonaten kein Privileg der Südländer ist.
  Sommerzeit, la temporada de verano, ist die Zeit, in der gefeiert wird. Egal ob die Veranstaltung Kirchweih, Kirchtag oder Feuerwehfest heißen.
  Es liegt wahrscheinlich in der Natur des Menschen, die warme Jahreszeit für menschliche Begegnungen zu nutzen. Den Rest des Jahres igelt er sich im allgemeinen ja in seinen geschützten vier Wänden ein und wundert sich, dass er vor dem "Patschenkino" niemanden kennen lernt.
  Also jammert nicht über die Hitzewelle, la ola de calor, sonder ergreift die Gelegenheit beim Schopf und genießt das Bad in der Menschenmenge! Was für ein schöner Tag!
  Man sollte die Feste wirklich feiern, celebrar, wie sie fallen. Das kann man auch durchaus im kleinen Kreis, una fiesta en la más estricta intimidad, en familia, machen. Es muss ja nicht immer gleich eine aufwendige Party sein. Ein Fest zu zweit hat auch seinen Reiz. Feiert einfach den Sonntag - wir tun es auch!
  Das war für heute das aktuelle Wort zum Sonntag! iHasta pronto amigos mio!
 

 
 
Die Geschichte lehrt dauernd,
aber sie findet keine Schüler.
Ingeborg Bachmann
 
 

21 de julio de 2007 - Samstag - sábado
 
 
21 ° centígrados  
25 ° centígrados  
Icod de los Vinos abklingender Calima
  Ausschließlich Wolken kann ich nicht einzeichnen, denn ab und zu, de vez en cuando, blinzelt die Sonne ja doch durch. lach ein wenig :o) Aber eben nur ab und zu.
  Zugegeben, über unserem Kopf befindet sich eine einheitliche, hellgraue Wolkendecke. Und es ist schwül! Aber was soll's? Wir haben uns vorgenommen ein Stück der Bepflanzung fertig zu stellen - und dabei bleibt es auch, no hay cambios!
  Wir haben ein vorzügliches Frühstück genossen und anschließend unseren Plan in die Realität umgesetzt. Wir können uns wirklich auf die Schultern klopfen, dass wir so tapfer durch gehalten haben. Ein kleines Erfolgserlebnis muss der Mensch ja einmal am Tag haben. Auch, wenn es - relativ - schwer erarbeitet ist.
  Wenn man den Himmel auf Erden sucht, hat man in der Schule so wieso nicht richtig aufgepasst!
  Das sagt man so leicht daher. Die Realität schaut allerdings ganz anders aus.  Der Himmel ist relativ und eine Ansichtssache. Man kann es nirgendwo so real wir auf den Kanarischen Insel beobachten.
  Wo beginnt die klare Sicht auf den blauen Himmel? Am Strand? ¿A la playa? In dreihundert Meter Seehöhe? Oder gar erst ab tausend Meter, in luftiger Höhe?
  Es kommt immer darauf an, wie klar man sehen will. Warum? Ins Auto einsteigen, starten und losfahren ist ja keine Schwierigkeit. Zumindest nicht, wenn man ein Auto hat.
  Der Rest ist eine persönliche Entscheidung. Fährt man in den so genannten "Süden" der Insel oder klettert man die Höhenmeter auf der geographischen Skala nach oben. Beides kann befriedigend sein. Je nach dem. Strandleben pur oder einfach nur schönes Wetter mit einem tiefblauen Himmel.
  Auf dieser Insel findet man beides - und noch viel mehr - jeden Tag. Wir leben auf einem Eiland, das bekannt und beliebt ist, eben weil es in der allgemeinen Klimatabelle nicht eindeutig ein zuordnen ist.
  Wir könnten uns das Wetter fast jeden Tag aussuchen. Wenn es unser Tagesablauf zu lassen würde.
  Arbeitenden Menschen ist diese Entscheidungsfreiheit nicht immer gegönnt, leider. Aber der Urlauber hat hier die Qual der Wahl. Optimales Wanderwetter oder lieber ein Tag am Strand? Wenn man es genau nimmt - ein Paradies.
  Ein Paradies war ursprünglich ein Zaubergarten, ein herrschaftlicher Park. Oder war es doch der Garten Eden? Der Sündenfall - was immer das auch gewesen sein soll?
  Paradies hat auf alle Fälle einen positiven Klang. Schönheit, sich wohl fühlen, leben. Mensch sein können und nicht irgendeine Nummer sein müssen.
  Den Gedanken, la idea, könnte man noch weiter spinnen, doch ich werde mir jetzt einmal die Spinnweben des heutigen Tages aus den Haaren waschen und mich dann ins Bett begeben. Der Sonntag winkt mir schon verführerisch zu.
  Alle Welt macht zur Zeit Urlaub, las vacaciones. Wir nicht, aber das ist auch gar nicht so wichtig, importante. Wir schaufeln uns dazwischen ein wenig Freizeit frei. Dieser Weg ist - im Moment, de momento - für uns der bessere.
  ¡Buenas noches! Gute Nacht allerseits - und nicht böse sein, wenn ich zur Zeit irgendwelche Antworten per E-Mail schuldig geblieben bin oder bleiben sollte.
  Auch für mich hat der Tag nur vierundzwanzig Stunden. Ein Großteil davon geht für die tägliche Routinearbeit drauf, ein kleiner Teil dafür, was noch so nebenbei erledigt werden muss und einen klitzekleinen bewahre ich mir im Moment für mich selbst auf. Meine eiserne Reserve so zusagen.
  Ich wünsch' euch allen einen schönen, erholsamen Sonntag!
  P.S.: Heute Abend haben wir selbst geräucherte Forellen verspeist! Georg hat wieder einmal sein Talent für Improvisation unter Beweis gestellt und hat mit einigen Ziegelsteinen ganz schnell einen Räucherofen aufgebaut.
  Zwei kurze Stunden später haben wir frisch geräucherte, warme Forellen mit Oberskren und Weißbrot genossen. Ein perfekter Tagesabschluss!

20 de julio de 2007 - Freitag - viernes
 
 
21 ° centígrados  
25 ° centígrados  
Icod de los Vinos abklingender Calima
  Unser warmes Sandwindchen ist noch immer da. Die Sicht auf das Meer ist nicht gerade umwerfend im Moment. Wir haben - blöd gesagt - momentan einen beschränkten Horizont. lach ein wenig :o) Das kann jeder auslegen, wie er es will. *g*
  Alles in allem ein normaler Tag. Georg war am Vormittag in Icod unterwegs. Bank, Rathaus und noch ein paar so Kleinigkeiten. Ich habe mich während der Zeit durch einen Teil unserer Botanik geschlagen - und das kann man wirklich wörtlich nehmen! Zwar nicht mit der Axt aber dafür mit zwei gut schneidenden Blumenscheren. Einer handlichen kleinen und einer etwas größeren für die schon kräftigeren Exemplare unserer Blumenkinder.
  Nach einem kurzen Mittagessen - diesmal wirklich fast zur Mittagszeit - haben wir uns auf die Reise begeben. Zwar auf eine kleine, aber notwendige, Reise. lach ein wenig :o) Auf eine Schweiß treibende Reise.
  Je näher man Santa Cruz kommt, desto mehr spürt man den Calima. Feucht, heiß und drückend. Wenn es in der Umgebung von Los Rodeos, dem Nordflughafen einmal 27 Grad hat, dann heißt das was. Im Normalfall ist das der Kühlschrank der Insel. In Zeiten des Calimas wird es allerdings leicht subtropisch angehaucht. Also - Augen zu und durch, besser gesagt, seine Termine schnell erledigen und wieder nach Hause fahren. In Icod herrscht zwar wolkiges aber warmes Wetter mit einem angenehmen Windhauch.
  Wir wollen ja nicht immer eisgekühlt fern sehen, wir brauchen dringend ein neues Netzgerät. Erhältlich ist das Ding in der Industriezone, la zona industrial, von La Laguna. Sonst kann man es nur in irgendeinem Geschäft bestellen  - und warten. Nachdem wir für unsere nächste Pflanzaktion auch noch Torf benötigen, verbinden wir eben beides.
  Wer suchet der findet, quién busca encuentra! Mittlerweile, entretanto, sind wir ja perfekte Inseldetektive geworden. Wir finden alles! lach ein wenig :o) Oder sollte man doch sagen - fast alles?
  Auf alle Fälle haben wir heute die Servicestelle der Firma Basic Line erfolgreich aufgespürt. Bitte darauf achten, es wird so ausgesprochen, wie der Name geschrieben wird. Andernfalls hat man überhaupt keine Chance, dass irgendjemand irgendetwas versteht.
  Es handelt sich also wirklich um eine ernst zu nehmende "Schriftsprache". Vor allem wenn es um Begriffe aus der englischen Sprache geht. Das Gesetz gilt übrigens auch für Ketchup - falls das einmal einer von euch zum Toast, sprich "Sandwich" (Sand wich) auf dem Teller haben möchte.
  Das soll ja nicht zum Problem werden, oder? Man muss es nur wissen, denn sonst wird die Verständigung alles andere als Nerven schonend. Seine perfekten Englisch Kenntnisse kann man ja anderswo anbringen.
   
  Nach einigen Rundfahrten durch das Industriegebiet haben wir es also tatsächlich geschafft. Wir sind am Ziel unserer Wünsche angelangt.
  Von der Hauptstrasse, la calle principal, aus würde allerdings niemand vermuten, dass sich hinter einer Hausecke, eine enge Rampe ins Ungewisse direkt neben einer Parkplatzauffahrt für einen Mercadonna einige Gewerbebetriebe verbergen. Wirklich gut versteckt. ¿De verdad?
   
  Deshalb, por eso, sind wahrscheinlich auch die Baumaschinen gleich dort geblieben. Derjenige, der sie abholen sollte, hat sie wohl nicht gefunden. In Spanien darf ein normal Sterblicher ja kein Auto abschleppen oder irgend ein anderes Gefährt auf der Strasse transportieren. Dafür gibt es spezielle Firmen mit Abschleppwägen, la grua.
   
  Ein tolles Kontrastprogramm auf kleiner Fläche. Moderne Technik im Geschäft und am Parkplatz, en el aparcamiento, ein technisches Museum. Das nennt man dann ein all inclusive Angebot, oder nicht?
   
  Wir haben geschwitzt und die Luft im Mund ist immer trockener geworden. Eigentlich hatten wir ja vor, in Santa Cruz noch einen gemütlichen Zwischenstopp einzulegen. Der Calima hat uns aber eines anderen belehrt.
  Deshalb haben wir auf der Strasse nach Icod einen kleinen Stopp eingelegt.
  Ab und zu beschert einem auch eine Kleinigkeit einen Tapetenwechsel. Man wird ja bescheiden. Die Cafeteria der Tankstelle El Mirador ist dafür wirklich ein guter Tipp! Sowohl für das Auto als auch für den Fahrer, el conductor, oder die Mitfahrenden. 24 Stunden geöffnet und ein Lokal mit einer traumhaften Aussicht. lach ein wenig :o) Wie hat Georg zu mir gesagt? "Willst du mit der Aussicht Richtung Icod oder Richtung Puerto sitzen?
  Ein Tipp, un consejo - wenn ihr das Auto geparkt habt - werft einen Blick über die Mauer. Es lohnt sich!
   
  Nicht dass jetzt der Eindruck entsteht, wir hätten unter einem Wasserproblem zu leiden. lach ein wenig :o) Aber diese schneeweiße Vogel wartet eindeutig vergeblich auf Wasser.
  Wir sind erfolgreich nach Hause zurück gekehrt.
  Im Gepäck ein neues Netzteil für unseren Nachrichtenlieferanten, Torf, für das Umfeld der neuen Blumenkinder, einigen kleinen Yuccapflanzen, ein bisschen Schilf für die Teichbepflanzung, frische, schmackhafte, kleine Makrelen, warmes Stangenweißbrot und gereiften Ziegenkäse für unser Abendessen.
  Das Auto vor unserer Luxusherberge geparkt und die Schätze ausgepackt. Die Lebensmittel verstauen, Pflanzen auf ein schattiges Platzerl stellen und Georg hat, wie es sich für einen richtigen Mann, un hombre hecho y derecho, gehört, das Feuer für das Abendessen, la cena, entfacht.
  Flackerndes Feuer, ein Glas Wein und eine Zigarre. Ja ja, ich weiß, Rauchen kann ihr Leben verkürzen. *g* Aber jeder macht es eben nach seinem Geschmack. Georg mit seiner Zigarre, un puro, und ich mit meinem schlankeren Glimmstengel, un pitillo, sprich Zigarette, un cigarrillo.
  Vom Rauchen abhalten könnte mich eigentlich nur eine effiziente Wahrheit. Das betrifft allerdings nur den Umgang mit Feinden, con los enemigos. "Wenn Blicke töten könnten, würde ich meinem Feind ganz tief in die Augen schau'n."
  Dann müsste ich allerdings mit dem Rauchen aufhören - damit ich ihn noch lange überlebe! Sonst hätte die ganze Aktion ja keinen Sinn, oder?
  Wir haben unsere gegrillten Makrelen mit frischem Weißbrot genossen, dazu ein Glas Wein und ein Gläschen Sekt getrunken. Für die morgige Gartenaktion sind wir gestärkt und können restlos zufrieden auf angenehme Träume warten.
  Also schlaft gut - wir werden es ganz sicher tun. Leider nur sehr kurz. Um sieben Uhr morgen Früh - noch fast in der Dunkelheit - steht Chicho für die Arbeit am Samstag vor der Türe!
  Einen Satz muss ich hier noch als Gedächtnisstütze festhalten. Er steht im Moment in keinen Zusammenhang mit irgend etwas - aber andernfalls entfleucht er meinen Gedanken. "Mallorca ist ein Stück deutscher Gegenwartskultur."
  lach ein wenig :o) Lasst euch überraschen!

19 de julio de 2007 - Donnerstag - jueves
 
 
21 ° centígrados  
28 ° centígrados  
Icod de los Vinos Calima
  Afrika lässt grüßen. Der Calima bestimmt wieder einmal das Wetter auf der Insel. lach ein wenig :o) Als ob wir selbst nicht genug Sand in der Luft hätten. Die Baustelle unter uns beginnt zu nerven. Der feine Erdstaub wird langsam aber sicher unerträglich.
 
Die letzten Arbeiten am Gartenhaus.
Es verändert sich von Tag zu Tag mehr zu einem bezaubernden Steinhäuschen. lach ein wenig :o) Viel zu schade für Werkstatt und Holzlagerraum, un taller y almacén de leña.
Nein, das stimmt nicht. Auch Arbeitsräume sollen schön sein, sonst macht das Arbeiten darin auch keinen Spaß.
Vielleicht sollten wir ein Ferienhaus, un chalet para las vacaciones, daraus machen? Aus einem ehemaligen, einfachen Holzlager wird wirklich nun ein Schmuckstück, una joya.
Fotos gibt allerdings erst vom fertigen "Kellerraum"
  Während Jorge und Georg heute die Dachkonstruktion montiert haben, bin ich dem Rasen zu Leibe gerückt. Ich habe alle meine Sünden abgebüßt. Der Schweiß ist mir sogar in die Augen getropft. Hätte es um diese Zeit nicht ein bisschen kühler sein können?
   
  Nach einer Stunde - schätze ich - habe ich es geschafft. Der Tank vom Rasenmäher, el cortacésped, ist fast leer und unsere Grashalme haben einen Kurzhaarschnitt verpasst bekommen. Die Kaninchen, los conejos, müssen sich für eine Weile wieder einen anderen Selbstbedienungsladen suchen.
   
  Er liebt mich, er liebt mich nicht?
  Hat sich jemand von euch frisch verliebt? Unsere Margeriten blühen in allen Farben. Weiß, hellrosa und pink. Dem Blütenorakel steht also nichts im Wege. Blüten dafür stehen in Unmengen zur Verfügung.
  Es bleibt nur mehr eine klitzekleine Frage offen. Welche Farbe ist dafür besser geeignet? Rosa oder weiß?
  Zugegeben, normaler Weise nimmt man dafür Gänseblümchen und zupft ein Blütenblättchen nach dem anderen ab. Aber mit Gänseblümchen kann ich leider nicht dienen. Ich habe auf der Insel noch keines entdecken können. Entweder sie haben sich vor mir versteckt - oder es gibt keine?!
  Es müssen ja nicht immer Gänseblümchen sein, um herauszufinden, ob es mit der Liebe klappt oder nicht.
  Es gibt auch noch andere Blumenorakel. Wer wissen will, ob zwei bald heiraten werden, braucht nur zwei Blätter von einem Buchsbaum. Auf eine heiße Herdplatte legen und abwarten. Je nachdem, ob sie sich durch die Hitze zusammen ziehen oder auseinander rollen, hat man eine klare Antwort bekommen. Wir heiraten bald oder wir heiraten gar nicht!
  Das Blumenorakel hat auch der Dichterfürst Goethe in eines seiner Werke eingebaut. Wer hat in seinen Jugendjahren nicht das Monsterwerk "Faust" auf und ab lesen dürfen? Genau in diesem Werk befragt das Gretchen das Orakel der Blumen, consultar el oráculo de flores. "Ja, mein Kind! Lass dieses Blumenwort Dir Götter-Ausspruch sein. Er liebt dich!“ war die Antwort auf ihre Frage.
  Moral, la moral, aus der Geschicht? lach ein wenig :o) Glaub' einem Orakel nicht! Die Geschichte des armen Gretchens ist ja bekannter Weise nicht gar so gut ausgegangen.
  Trotz allem, a pesar de todo - Blumen sagen mehr als tausend Worte. Doch aufgepasst, es muss schon das richtige Grünzeug sein!
  Bei einigen Blumen sollte man daher Vorsicht walten lassen. Denn Blumen können verschiedene Sprachen sprechen und nicht alle sind nett.
  Die Sprache der Blumen hat eine lange Tradition. In früheren Zeiten hat vor allem der weibliche Teil der Gesellschaft mit Hilfe der Blumen ohne Worte seine Gefühle zeigen können. lach ein wenig :o) Die feinen Damen der Gesellschaft mussten ja sehr zurückhaltend und vornehm sein. So wurde die Blumensprache entwickelt.
  Daher haben viele Pflanzen eine eigene, seit alter Zeit überlieferte Bedeutung.
  Einige Übersetzungen habe ich gefunden, vielleicht kann sie ja jemand bei passender Gelegenheit anwenden.
  Die Chrysantheme, el crisantemo - egal ob im Strauß oder Knopfloch - bedeutet: "Ich bin noch frei und interessiert."
  Salbeiblüten, la flor de salvia, signalisieren: "Ich denke an dich."
  Die Geranie, el geranio, sagt durch die Blüte, dass man sich wieder an einem bestimmten Ort treffen will.
  Ein paar Lavendelzweige, la lavanda, stärken das Selbstbewusstsein: "Das werden wir schon schaffen, das wird schon klappen."
  Die Brennnessel, la ortiga, sagt laut und deutlich: "Ich habe dich durchschaut, du kannst mir nichts vormachen."
  Die Aster, la áster, flüstert leise: "Ich glaube nicht, dass du wirklich treu sein kannst."
  Auch die stachelige Distel, la cardo, ist eindeutig "Die Sache ist mir viel zu gefährlich, mit dir will ich lieber nichts zu tun haben."
  Das endgültige Aus einer erhofften Liebe verkünden allerdings die leuchtend bunten Blüten der Dahlie, la dalia: "Ich bin schon vergeben. Dreh dich rum und gehe am besten."
  Brennnessel, Aster, Distel oder Dahlie bringen also keine erfreulichen Nachrichten.
  Die Blumensprache hat in diesen Fällen eher einen bitteren Beigeschmack.

18 de julio de 2007 - Mittwoch - miércoles
 
 
21 ° centígrados  
28 ° centígrados  
Icod de los Vinos Calima
  Laut Wetterbericht, el parte meteorológico, haben wir heute strahlenden Sonnenschein und 28 Grad auf der Quecksilbersäule.
  Die Temperatur stimmt zwar, aber die Sonne? Die war heute leider nicht zu sehen - außer wir wären in höhere Lagen gefahren. Strahlender Sonnenschein und 25 Grad bei der Bergstation vom Teide! Der Calima schlägt wieder einmal zu. lach ein wenig :o) Die Sahara lässt grüßen.
   
  Wir können von unserer Finca die wandernden Nebelschwaden, los velos de niebla, beobachten. Wohnt jemand in einer Höhenlage von fünf- bis sechshundert Metern Seehöhe hat er heute allerdings Waschküchenklima. Er sitzt mitten in den ach so idyllischen Nebelschwaden.
  Das ist um diese Zeit allerdings keine Seltenheit. Das Meer erwärmt sich und die Luft nimmt den aufsteigenden Wasserdampf mit.
  Rund um den Teide sammeln sich diese feinen Wassertröpfchen dann zu ziemlich dichten Wolken. Von oben gesehen hat der Teide dann einen perfekten Ring um seinen Gipfel geschlungen. Die Insel teilt sich damit nicht in einen nördlichen und einen südlichen Teil sondern in "drunter und drüber" lach ein wenig :o) Einfacher ausgedrückt, man befindet sich unter den Wolken oder darüber.
  Die duftigen Nebelwölkchen haben allerdings den Vorteil, la ventaja, dass sie ihre Feuchtigkeit an die Pflanzen abgeben. Sanft und zärtlich. Die grüne Landschaft holt ihren Reichtum aus dieser Luftfeuchtigkeit und belohnt uns mit ihrer Schönheit, la belezza.
  Ma sollte man sich allerdings hüten, bei Kaiserwetter ein Grundstück oder Haus zu besichtigen, dass man kaufen möchte. Bei Immobilienmaklern, los agentes inmobiliario, gibt es eine klare, ungeschriebene Regel, una norma - bei Topwetter auf in die Höhenlagen! lach ein wenig :o) Die Fernsicht, la vista panorámica, ist wunderbar und unübertrefflich und das Wetter perfekt! In gewissen Höhenlagen aber eben nur einige Tage im Jahr. Dafür sind die Preise der Liegenschaften moderat, el precio moderado. Es ist also ziemlich verführerisch.
  Sitzt man dann in so einem Traumhaus, kann man von Sonnenschein ab Mittag nur mehr träumen, sonar con algo.
   
  Wenn man Glück hat, tener suerte, hat man die sechshundert Höhenmeter überschritten und lebt einen Großteil des Jahres über den Wolken. Man hat dann zwar Sonnenschein und blauen Himmel, aber einen Ausblick, als ob man ständig im Flugzeug sitzen würde. Von faszinierender Fernsicht ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Sie ist schlicht und einfach in die Ferne gerückt.
  Möglichkeit Nummer zwei, posibilidad número dos, ist jedoch bei weitem schlimmer, hay cosas peores! Man sitzt ab Mittag in einer Nebelsuppe. Angenehm - oder unangenehm - feucht, auf alle Fälle blickdicht und haltbar. Die Sonne sollte man also beim Frühstück genießen, später gibt es dafür keine Garantie mehr.
  Falls man dann den Fehler, la falta, macht, dass man Wäsche kurz vor Mittag auf die Leine hängt ...
  Na ja, Unglück geschieht schon keines, aber trocken werden die guten Stücke in den nächsten zwanzig Stunden auch nicht mehr. Der Zeitpunkt für trochnende Luft ist festgesetzt auf einen Zeitraum zwischen sieben bis elf, höchstens zwölf Uhr Mittag. Das ist alles nur Einteilungssache oder die Arbeit für einen Wäschetrockner una secadora para ropa. Der Wäscheständer, el tendedero, oder die gute, alte Wäscheleine, la cuerda de la ropa, hat ausgedient.
  Wir haben diesen Zustand, el estado, ein halbes Jahr genossen, da unsere Maklerin uns ein Haus irgendwelcher ihrer Verwandten vermittelt hat. Ich weiß also wovon ich rede. lach ein wenig :o) Man muss auf den Inseln nicht aufpassen ob man ein Haus mit Meerblick hat, ob das Hotelzimmer im Norden, Süden, Osten oder Westen der Insel liegt. Es kann alles schön sein und jeder Mensch hat eine andere Vorstellung von Urlaub. Die Höhenmeter sind der Knackpunkt!
  Irgendwie auch logisch oder? In den Alpenländern liegen die Almhütten ja auch nicht an den Badestränden.
   
  Ob blauer Himmel oder nicht - bei uns wird gearbeitet. Dafür ist dieses Wetter wiederum perfekt. Keine Schweißbäche, die den Rücken hinunter rinnen, keine Schweißperlen, die auf der Stirne glitzern und die Sonnenbrille kann man auch im Etui stecken lassen.
   
  In Österreich hat man früher immer gesagt, wenn jemand gar nichts kann, geht er zu Bundesbahn.
  Hier gibt es auf jeder Baustelle einen Arbeitsplatz für jemanden, der gar nichts kann. Das Problem auf den Baustellen der Insel ist der Staub! Feinster Erdstaub, der in jede Ritze dringt. Aus diesem Grund steht immer irgendjemand mit einem Schlauch in der Gegend herum und spritzt Wasser durch die Luft. Besondere Kenntnisse muss dafür keiner vorweisen. Einen Wasserschlauch, una manguera, halten und spritzen, das kann schließlich jeder, oder? lach ein wenig :o) Man sieht es ja an mir!
  Wenn Georg mich sucht, braucht er nur einem Wasserschlauch nachgehen! Obwohl - so einfach ist das auch nicht mehr - er muss schon den richtigen aussuchen. An irgendeinem Ende findet er dann - mich!
   
  Heute war die Bepflanzung mit Kakteen, Lavendel, Oleander und endemischen Pflanzen, cactus, lavanda, adelfa y plantas entomológico, an der Reihe. Handwäsche war angesagt. Die Bagger und LKWs der Baustelle unter uns haben die Pflanzen so mit feinem Erdstaub eingepudert, dass die Pflanzen im wahrsten Sinne des Wortes keine Luft mehr zum Atmen hatten.
   
  Angewachsen sind unsere Pflanzenkinder bis jetzt allerdings vorbildlich. Auf dem linken Foto kann man noch ganz gut das Kakteenblatt, das wir eingesetzt haben, erkennen. Die restlichen Blätter sind jetzt innerhalb von einigen Monaten gewachsen. Es wird nicht lange dauern, dann wird aus unserem letzten Steckling auch ein ansehnlicher Kaktus werden!
  Mittlerweile ist es Abend geworden. Ruhe ist eingekehrt. Es tranquilo. ¿No es así? Oder nicht?
  Keine Baumaschine bewegt sich mehr - bis auf unseren Bagger. Georg benutzt die Baggerschaufel als Steighilfe für den Maulbeerbaum. Von diesen köstlichen Beeren will er so wenige wie möglich an andere Nutznießer verlieren. Weder Vögel noch Eidechsen, ni pájaros ni lagartos, sollen in den Genuss der süßen Früchte kommen.
  Er hat ja recht. Kaufen kann man sich Maulbeeren nämlich nicht. Weder im Supermarkt noch im kleinen Tante Emma Laden um die Ecke. lach ein wenig :o) Man hat sie - oder nicht! Wir haben das Glück.

17 de julio de 2007 - Dienstag - martes
 
 
21 ° centígrados  
28 ° centígrados  
Icod de los Vinos  
  Heute findet in Puerto de la Cruz das wichtigste Fest des Jahres statt.
  La Embarcación de la Virgen del Carmen. Die Schutzheilige der Fischer, la Virgen del Carmen, wird mit einem großen Fest, una fiesta grande, gefeiert. Aus diesem Grund ist dieser besondere Tag in Puerto de la Cruz auch ein Feiertag. lach ein wenig :o) In allen anderen Orten der Insel wird allerdings noch fleißig gearbeitet.
  Wir sind gestern Abend nach Puerto de la Cruz gefahren. Am Vorabend des heutigen Feiertages wird traditionell  das Sardinenfest, la Sardinada gefeiert. Und das wollten wir auch einmal erleben.
   
  Die kleine Fiesta findet unter der Kirche von San Telmo statt. Es ist nichts besonderes, aber es werden Unmengen von Sardinen gegrillt, es wird gegessen, getrunken und gefeiert. Es qualmt, raucht  und duftet köstlich nach gebratenen Sardinen.
  Auf allen Mauern und den Steinen rundum sitzen und stehen Menschen und lassen sich die gegrillten Fische mit einem Stück Weißbrot und einem Gläschen Wein, sardinas con una rebanada de pan blanco y un vasito vino, oder Bier schmecken.
   
  Musikgruppen und Tänzer, músicos y bailadores, tragen ihren Teil zum Fest bei und anschließend folgt die unverzichtbare Diskomusik in Gehör schädigender Lautstärke. lach ein wenig :o) Wobei ich zugeben muss, in der Bucht bei San Telmo sind die Wellen des Atlantik bei weitem lauter als die Musik, die aus den Lautsprechern dröhnt. Die hört - besser gesagt spürt - man eigentlich nur, wenn man in unmittelbarer Nähe der riesigen Musikboxen steht.
  Manfred - wäre dieses kulinarische Angebot nach deinem Geschmack? Die Fiesta vielleicht nicht, aber die gebratenen Sardinen, las sarinas o chicharras, wie man sie hier auch nennt? Wir haben sie allerdings in dem Lokal genossen, in dem wir mit dir deinen Geburtstag gefeiert haben.
  Warum? Wir haben das System des Sardinenfestes am Anfang nicht richtig durchschaut und dann hätten wir sicher über eine halbe Stunde anstehen müssen!
  Beim Grillmeister bestellen ging nämlich nicht. Dafür musste man zuvor - an einer unscheinbaren Kasse am Anfang der Treppe - seine Rechnung bezahlen, sprich an der Grillstelle einen gelben Zettel vorlegen. Also erst beim Bestellen und Bezahlen anstehen und danach beim Einlösen.
  Das wollten wir dann doch nicht. ¿Qué se le va a hacer?
  Aus diesem Grund, a causa de, haben wir uns dazu entschieden, die Sardinen mit dem Ausblick auf das Fest zu genießen. Für uns war es eine gute und richtige Entscheidung. Wir haben den Abend abseits vom Getümmel, el gentío, genossen!

16 de julio de 2007 - Montag - lunes
 
die Sonne ist wieder da :-)  
21 ° centígrados  
30 ° centígrados  
Icod de los Vinos  
  Termin Nummer drei bei der neu gewählten Besetzung des Rathauses ist heute ein Rendezvous mit der Vizebürgermeisterin, la primera teniente de alcalde, Isabel García, die auch Stadträtin für Kultur ist.
  Man kann es kaum fassen, wie sehr sich die Situation seit den Wahlen geändert hat. Wo waren die fähigen und kompetenten Politiker denn bis jetzt versteckt? lach ein wenig :o) So viel Unterstützung und Begeisterung kann man eigentlich gar nicht mehr begreifen.
  Isabel Garcia hat sich heute - als erste Politikerin - dafür bedankt, dass wir dieses kulturelle Projekt in Icod de los Vinos umsetzen.
  Es kann also nichts mehr schief gehen. Gott sei Dank! iGracias a Dio!
   
  Sommer, Sonne, Badestrand! Verano, sol y la playa! Nicht nur in Österreich herrscht hochsommerliches Wetter, auch auf den Inseln des angeblich ewigen Frühlings pilgern am Wochenende ebenfalls Menschenmassen zum Strand.
   
  Es ist Ferienzeit und - Sommer. Las vacaciones de verano y - verano. Jedes Plätzchen wird genützt und das Leben spielt sich abends und vor allem am Wochenende am Strand ab. Vamos a la playa heißt die Devise!
  Wer zu Hause bleibt, hat verloren und ist selbst schuld. Das Wohnzimmer wird kurzerhand auf schwarze Felsen und an die kleinen Strände mit heißem, schwarzen Sand verlegt.
   
  Sonnenschirme, el parasol, Kühltaschen, la glacière, Klappsessel, la chaise pliante und was sonst noch für einen gemütlichen Nachmittag gehört wird von allen Familienmitgliedern geduldig an den Strand geschleppt.
  Nicht selten über abenteuerliche Wege, die über steile Felsen zum Meer hinunter führen. Wege über Stock und Stein.
 

Auffe schaun. Sternderl schaun.
Waßt was, wir picken uns an raus, irgend an.
Wie wär's mit dem da über uns, dem frechen Klan'?
Und wenn ma's wollen, so richtig wollen,
wirst sehe, dann schickt er uns ein Grinsen
und blinzelt uns in Bauch.
Und das tut gut, tut so gut, das tut gut.
Ludwig Hirsch
  hier ist der vollständige Text ...
  Sterne - unendlich viele Sterne und die Milchstrasse am dunklen Himmelszelt. Ein Abend, eine Nacht zum Träumen. Das Leben ist schön!
  Was ist das? Mir zwinkert, guiñar, ein Stern zu? lach ein wenig :o) Nein, es ist kein Stern, es ist ein Satellit, no estrella pero un satélite. Einer der vielen, die jeden Tag über uns kreisen.
  Welche Daten von diesen unbekannten Flugobjekten aufgezeichnet werden, weiß ich nicht. Wenn ich ehrlich bin, interessiert es mich auch gar nicht. Gläserner Mensch hin oder her. Mir ist es egal.
  Was soll von meinem Innenleben denn aufgezeichnet werden? Ich kann höchstens als Person geortet werden. Auf diese Weise ist allerdings so wieso jeder auffindbar, der ein Handy, sprich Mobiltelefon, in der Tasche hat.
  Meine Gedanken, las ideas, kann ja niemand lesen. Außer Menschen, die mich sehr gut kennen. Aber dagegen habe ich auch nichts. Gibt es etwas Schöneres auf der Welt, als ein Gespräch, dass sich nur mit Blicken abspielt? Man schaut sich an und kann die Gedanken des anderen lesen. Worte sind dabei überflüssig!
  Satelliten und Überwachungskameras sind für mich deshalb nicht interessant.
1. bis 15. Juli 2007
Schreiben Sie uns einfach eine kleine Nachricht
   
   
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